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Der Kommentar

Es hat immer nur e i n Deutschland gegeben. "Deutsch-deutsch" ist die Sprache der Toren und der unverbesserlichen Ideologen

Von Ralph Lorenz

Es hat immer nur ein Deutschland gegeben!

Es gibt inzwischen eine Generation von Deutschen, für die ist die Teilung Deutschlands nur noch Geschichte. Und einige aus dieser jungen Generation im vereinten Deutschland können die Erzählungen über einen Todesstreifen quer durch Deutschland kaum glauben, halten das für eine maßlose Übertreibung. Schießbefehl? Nie gehört!  Stasi? Was ist das? Stacheldraht? Wozu?

Es ist das Glück der „Nachgeborenen“. Ich aber bin so alt wie die Bundesrepublik, ein Oktoberkind. Die Teilung Deutschlands ist ein Stück meiner Vita. Und ich weiß auch was das bedeutet ein Flüchtling zu sein. Im eigenen Vaterland.

 

 

Fortsetzung von Seite 1

Am heutigen Tag habe ich im NDR regelmässig das Beiwort „deutsch-deutsch“ gehört, wenn über das einst geteilte Deutschland gesprochen wurde. Klingt ja irgendwie rhythmisch und super intellektuell.

Zunächstmal ist es gedankenlos. Und zum zweiten falsch. Ein „deutsch-deutsches Verhältnis“ hat es niemals gegeben. Wohl aber ein innerdeutsches.

Wer von deutsch-deutsch spricht, geht sprachlich von zwei Deutschland(s) aus. Nur so würde diese Wortwiederholung überhaupt einen Sinn ergeben. Und genau das wollten die ideologisch verblendeten Genossen von Ulbricht ebenso wie die von Honecker.

Zu suggerieren, dass es schon immer ein Deutschland Ost und ein Deutschland West gegeben hätte. Ein kommunistisches und ein kapitalistisches. So hätten sie's gern gehabt. Und klar doch: Der Kapitalismus war aus Genossensicht gnadenlos dem Untergang geweiht.

Was wäre und ist aber richtig? Tatsache ist und war: Es gab schon immer nur, in Freud und Leid, e i n einziges Deutschland. Das allerdings nach dem Krieg geteilt. Durch den Todesstreifen.

Die „drüben“ nannten ihn den „antifaschistischen Schutzwall“. Faktisch war es aber die Trennung zwischen Genossen-Mief,ostdeutscher Datschen-Spießigkeit und andererseits dem "Stuyvesant-Duft der großen weiten Welt", wo jeder jederzeit ins Flugzeug steigen und ins Ausland reisen konnte. Reisefreiheit rund um die Uhr. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Das war im Osten nur den privilegierten Genossen vorbehalten, deren Linientreue peinlichst kontrolliert wurde bevor sie als stramme SED-Funktionäre in den „Westen“ reisen durften. Was sie im Westen tatsächlich sahen, nämlich den Wohlstand der angeblich vom Kapital ausgebeuteten Arbeiterschaft, das durften sie nach der Rückkehr nicht berichten.

Einige liefen bei diesem Spagat zur Höchstform auf. Sudel-Ede Schnitzler in Ostberlin geißelte in seinem DDR-Propagandakanal die angeblichen Auswüchse des Kapitalismus um dann unter Ausnutzung seines Funktionärs-Reiseprivilegs in Westberlin im KaDeWe all die Leckereien zu kaufen, die den darbenden Genossen im Osten vorenthalten blieben. Ja, das war so.

Jedem, der klar denken kann, ist bewusst, dass es immer nur e i n Deutschland gegeben hat. Dieses e i n e Deutschland aber in zwei getrennte Staaten zwangsaufgeteilt war!

So einfach ist es. Aber es überfordert jedoch die Kollegen des NDR noch heute, die es immer hätten besser wissen müssen. Denn durch ihr Sendegebiet lief die Demarkationslinie. Mal eben nach Thüringen fahren, das war nicht drin! Die Hörer in dem anderen Staat in Deutschland liefen Gefahr von ihrer SED-Blockwartin denunziert zu werden, wenn sie heimlich einen West-Sender empfingen.

Ein Künstler aus Ost-Berlin fiel den DDR-Spitzeln unangenehm auf als er begann systematisch die ehemals jüdischen Grabstätten zu DDR-Zeiten in ihrer Verwilderung zu dokumentieren. Das Regime wollte ihn als unbequemen Zeitzeugen loswerden und wies ihn kurzerhand in den Westen aus. Er sei nur durch drei Türen gegangen, sagte er, frisch im Westen angekommen, völlig fassungslos.

Und erst da sei ihm klar geworden, dass der Westen ja auch das selbe Deutschland sei. Mit seinen Menschen, seiner Sprache. Im SED-Regime großgeworden, habe er sich das nicht vorstellen können. Das war von den SED-Bonzen ausdrücklich nicht gewollt.

Der heutige Tag der Deutschen Einheit ist also der Tag der Deutschen. Und nicht der Deutsch-Deutschen.

Doch in diesem Deutschland sind noch immer die Narben der einstigen Zwangsteilung erkennbar. Für den, der genau hinschaut und sie auch sehen will.

Dass ausgerechnet an diesem Feiertag im Rahmen der Berichterstattung über die Kabinettslösung der sogenannten „Diesel-Problematik“ ein neuer feiner Riss durch Deutschland erkennbar wird, nämlich in der Gerechtigkeit bei der Behandlung der Dieselgeschädigten, bleibt das Geheimnis der Kanzlerin Angela Merkel.

Wer es nicht glaubt, soll nur die Deutschlandkarte zur Hand nehmen, die heute in Bild am Sonntag zum Thema Autofahrerentschädigung veröffentlicht wird. Nur die Diesel-Besitzer im Westen sollen großzügig mit bis zu 10.000 Euro entschädigt werden. Die im Osten nicht. Ihr Pech: In ihren Städten gibt es wohl (noch) zu wenig Dieselabgase. So ist Deutschland dann auf den Straßen in Schmutzfinken (Ost) und Saubermänner (West) geteilt.

Unglaublich aber wahr! Ich höre schon wieder die verdruckste Entschuldigung der Kanzlerin Merkel, man habe nur auf die rein technische Lösung geschaut – und was die Menschen draußen im Land empfinden, was sie denken, die ganze Vermittelbarkeit des Kuhhandels mit der Automobilindustrie, die ist wieder mal übersehen worden.

Und bitte, bitte jetzt nicht mit dem Schlaumeierhinweis ankommen es seien ja nur die Großstädte im Westen  von der Grenzwertüberschreitung betroffen! Was macht dann ein Dieselfahrer aus Leipzig, Chemnitz oder Dresden, wenn er öfter mal in die Daimlermetropole Stuttgart fahren muss? Was macht er mit seinem Gewissen? Kann er dann auf Merkels klimaneutrale Fahrbereitschaft zugreifen?

Das Gerechtigkeitsempfinden, der soziale Instinkt und der Anstand sind am Kabinettstisch in der Merkel-Nahles-Seehofer-Technokratenrunde inzwischen ohne Stimme!

Nein, die Zeit der Teilung ist vorbei Frau Merkel!

Helmut Kohl, der Kanzler der Deutschen Einheit und Vorsitzender einer Partei, die sich in der Vor-Merkel-Ära noch Volkspartei nennen durfte, dürfte sich einmal mehr im Grab umdrehen. Er hatte den Deutschen im Osten blühende Landschaften versprochen. Und ahnte nicht, was ihnen in Wirklichkeit noch so alles blüht.

 

 

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