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Psychiatrische Versorgung in Hamelner Vollzugsanstalt verbessert

Justizministerin Niewisch-Lennartz: „Niedersachsen leistet bundesweit Pionierarbeit"

Mittwoch 8. November 2017 - Hameln (wbn). In Hameln wird nunmehr Pionierarbeit geleistet, was die psychiatrische Versorgung im niedersächsischen Justizvollzug betrifft. Die Niedersächsische Justizministerin hat gestern die neue psychiatrische Abteilung der Jugendanstalt Hameln eröffnet.

Die Abteilung wird mit 20 vorgesehenen stationären Behandlungsplätzen einen wesentlichen Beitrag zu einer leitliniengerechten Behandlung und Versorgung psychiatrisch erkrankter Inhaftierter leisten und damit zugleich zur Resozialisierung und zur Prävention von neuen Straftaten beitragen. Die Station ist der vorerst letzte Baustein in der Umsetzung des landesweiten Gesamtkonzeptes zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung im niedersächsischen Justizvollzug.


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Das Thema hatte die Justizministerin unmittelbar nach der Übernahme der Regierungsverantwortung auf die Tagesordnung gesetzt.

„Mit der leitliniengerechten Behandlung psychiatrisch erkrankter Inhaftierter leisten wir in Niedersachsen bundesweit Pionierarbeit. Ich freue mich, dass wir mit dem Ausbau um insgesamt 40 stationäre Behandlungsplätze innerhalb nur einer Legislaturperiode zu konkret sichtbaren Verbesserungen gekommen sind", erklärte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz in ihrer Ansprache. „Nicht nur die Gefangenen werden davon profitieren, sondern die gesamte Gesellschaft. Denn ohne Behandlung ist das Rückfallrisiko deutlich höher. Wir investieren also in den Opferschutz."

Im Juli hatte die Ministerin die neue psychiatrische Abteilung in der JVA Oldenburg mit ebenfalls 20 stationären Plätzen eröffnet. Darüber hinaus werden psychiatrisch erkrankte Inhaftierte stationär auch in der JVA Sehnde und im Justizvollzugskrankenhaus in der JVA Lingen behandelt.

Die Abteilung in der Jugendanstalt Hameln wird von einer Fachärztin und einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie betreut. Zum multidisziplinären Team gehören unter anderem Fachkrankenpflegerinnen und -pfleger für Psychiatrie, Physio- und Ergotherapeuten, Wohngruppenbetreuer sowie eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin. Sie werden die leitliniengerechte Behandlung der Patienten sicherstellen. Wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist die Zusammenarbeit mit externen Partnern. So sind Kooperationen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Göttingen und dem Sozialpsychiatrischen Dienst beabsichtigt. Darüber hinaus wird die Station über eine eigene Arbeitstherapie verfügen. Die Abteilung wird auch die stationäre psychiatrische Versorgung für junge Inhaftierte aus anderen niedersächsischen Justizvollzugsanstalten übernehmen.

Für die Errichtung der psychiatrischen Station in der Jugendanstalt Hameln ist ein Hafthaus umgebaut worden. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen - inklusive der ohnehin anstehenden Sanierung des Vollzugshauses - betrugen etwa 1,9 Millionen Euro. Für den Personaleinsatz in der neuen Abteilung werden Kosten von jährlich etwa 990.000 Euro aufzuwenden sein.

Hintergrund: Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung leiden Strafgefangene deutlich häufiger an psychiatrischen Störungen. Studien gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Inhaftierten behandlungsbedürftig psychiatrisch erkrankt sind. Eine mangelnde psychiatrische Versorgung behindert den Weg aus der Straffälligkeit. Als Konsequenz eines dahin fehlenden wirkungsvollen Konzeptes hat Justizministerin Niewisch-Lennartz bereits im Juli 2013 eine Projektgruppe damit beauftragt, ein Gesamtkonzept zur psychiatrischen Versorgung von Inhaftierten zu entwickeln. Die Empfehlungen im Abschlussbericht der Projektgruppe vom 21.3.2014 sehen eine psychiatrische Versorgung im Justizvollzug analog zur Versorgungsstruktur der Allgemeinbevölkerung vor. Sie bilden die Grundlage des durch das Justizministerium erstellten Umsetzungskonzeptes.

Der wichtigste Baustein zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung ist dabei das qualifizierte Personal. In Zusammenarbeit mit der Psychiatrie-Akademie Königslutter konnten in mittlerweile vier Justizvollzugsanstalten des Landes, darunter auch die Jugendanstalt Hameln, Bedienstete mit pflegerischer Ausbildung zu Fachkrankenpflegerinnen und Fachkrankenpflegern für Psychiatrie weitergebildet werden.

 

 

 

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