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Der Kommentar
Wo bitteschön, sind die 400 Fragen, wo die 400 Antworten im Internet? Wulffs Transparenz-Versprechen – und die Durchschaubarkeit einer durchsichtigen Ankündigung

Von Ralph Lorenz

Christian Wulff hat vor 11,5 Millionen Fernsehzuschauern versprochen, die an ihn gerichteten mehr als 400 kritischen Fragen gleich am anderen Tag öffentlich im Internet zu beantworten. Durch seine Anwälte. Damit hätte der Herr Bundespräsident sich sogar für eine Karriere in der Piratenpartei empfehlen können. 24 Stunden später steht aber fest: Er hat es nicht getan.


Dabei ist es um mehr gegangen als um eine neue Saalwette im Gottschalk-Stil. Es sollte der Beleg sein für eine „Veränderung der Republik“ hin zu „mehr Transparenz“. Man müsse „die Transparenz weitertreiben“. Alles hehre Worte von Wulff in dem Gemeinschaftsinterview von ARD und ZDF, das zu einer neuen Glaubwürdigkeitsoffensive aus Sicht des Bundespräsidenten werden sollte. Wulff hat anderntags zwar durch seine Anwälte Redeker, Sellner und Dahs geliefert, aber nicht das, was er selbst mehrfach vor 11,5 Millionen Menschen angekündigt hatte. Auf sechs Seiten gab es lediglich ein Konglomerat von grob zusammengefassten Fragen mit nicht minder grob zusammengefassten Antworten. Somit sind der Fernsehnation 400 an ihn gestellte Fragen vorenthalten worden und ebenso 400 spannende Antworten. Machen wir uns nichts vor: Allein schon die 400 Fragen von Journalisten und Bürgern hätten ein Bundespräsidenten-Krimi sein können.

Jugendlich-naive Menschen, die noch nicht so gereift sind wie der Präsident, würden das Wulffen nennen


Fortsetzung von Seite 1

Denn aus dieser Fragestellung könnten sich Hunderte neue Aspekte ergeben. Von berechtigt und interessant bis unverschämt oder beleidigend. Wulff hätte diese Zusage nicht geben müssen. Aber er hat es als Beweis seines Verständnisses von „mehr Transparenz“ mit Vorsatz getan und im Tonfall der Zerknirschtheit versprochen.

Hätte er dies nicht als Höhepunkt seiner medialen Glaubwürdigkeitsoffensive live in zweifacher Wiederholung geradezu inszeniert, wäre das Versprechen aus dem temporären Gedächtnis-Zwischenspeicher des Publikums womöglich schon wieder folgenlos gelöscht worden. Hat er schon wieder "gewulfft"? Es könnte natürlich sein, dass seine Anwälte zu den herzlich wenigen Bürgern gehört haben, die lieber ein anderes Programm gesehen und gehört hatten. Oder gar nichts.

Auch kann es sein, dass sie ihm von den 400 Fragen und den 400 Antworten im Nachhinein abgeraten haben, was wieder ein Kommunikations-Supergau für den Präsidenten gewesen wäre. Auch kann es sein, dass der Präsident es selbst nicht wollte und sich nach der Sendung über Nacht eines anderen besonnen hat. Eben nur einen Teil der Wahrheit veröffentlichen wollte, und nicht die ganze, was leichtfertige junge Menschen, die vielleicht zu naiv und gutgläubig sind und die bleischwere Bürde eines Staatsamtes unterschätzen auf ihre jugendlich-saloppe Art „Wulffen“ nennen würden.

Aber Hand aufs Herz: Sind wir nicht schon stinkesauer wenn der Pizzaboote mit der Pizza Diavolo ohne Pepperoni,  Kapern und Sardellen und mit Cola statt Lambrusco vor der Tür steht, obwohl das El Cheffe – „selbstverständlich, signore, Grüße auch an die Frau“ – im gebrochenen Pizzabäckerdeutsch beim Bestellservice am Telefon hoch und heilig versprochen und bereits in Rechnung gestellt hatte?

Die am Abend versprochene Transparenz hat nicht einmal das Morgenlicht erblickt


Deutschland ist zur Servicegroßmacht aufgestiegen. Da kann der Präsident nicht einfach den Glaubwürdigkeitskodex – wie versprochen, so geliefert - nach unten dimmen. Immerhin: In diesem Sammeltransport der Wullfschen Wahrheits-Cluster, vom Anwalt handgesiebt, taucht adjektivisch und damit in die Form der Beiläufigkeit gekleidet, die Antwort auf, dass die „Hochzeitsfeier im März 2008“ von „den Eheleuten Wulff vollständig selbst beglichen“ sei. Gemeint ist hier offenbar die geheime Hochzeit im stilvollen Ambiente von Schloss Schwöbber in Aerzen. Manches Mal ist aber die Vorgeschichte einer Fragestellung sogar interessanter als die schmallippige Antwort. Von Interesse wäre: Wie war die entsprechende Frage formuliert?

Gab es einen Grund für einen hinreichenden Anfangsverdacht, dass es auch hier einen Sponsoren gegeben haben könnte? Die Erfahrung zeigt, nichts kommt aus heiterem Himmel - ausser der Blitz.

Die von Christian Wulff als Bundespräsident am Abend versprochene „Veränderung der Republik“ durch „mehr Transparenz“ hat nicht einmal das Morgenlicht erblickt. Ein One-Night-Stand der Transparenz. Die gedankliche Nähe der Transparenz zur Durchschaubarkeit ist nicht von der Hand zu weisen.     

Nachfolgend die Dokumentationshilfen der Weserbergland-Nachrichten.de zur Auffrischung des Kurzzeitgedächtnisses:

Aus dem Antwortbündel der Wulff-Anwälte Redeker, Sellner, Dahs:

„…Weitere Fragen betrafen beispielsweise die Steuerberatersozietät von Herrn Wulff, Besuche im Stadion von Hannover 96, die Ratsherrentätigkeit von Herrn Wulff in Osnabrück in den 1990er Jahren, private Urlaubsflüge oder die Frage nach den von den Eheleuten Wulff vollständig selbst beglichenen Kosten ihrer Hochzeitsfeier im März 2008. Auch solche Fragen
wurden beantwortet, obgleich in mehreren Fällen die Grenze zum ausschließlich privaten Bereich überschritten wurde. Das Honorar für unsere Tätigkeit zahlt Herr Wulff als Privatperson….“

Die Mitschrift-Passagen aus dem Live-Interview von ARD und ZDF zu dem Komplex Frage, Antworten und Transparenz:


Wulff: "…In einer parlamentarischen Auseinandersetzung, wenn sozusagen die aufgebrachte Stimmung ist über ein Upgrade beim Urlaubsflug mit Ihrer Familie und Sie dort die Dinge einräumen, Dinge einräumen, die Sie nicht einräumen müssten, wo Sie Urlaub gemacht haben z. B., und dann diese weitergehenden Fragen kommen, dann stehen Sie immer unter der Abwägung, was ist privat, was ist öffentlich, was muss hier genannt werden und was geht nicht alle etwas an. Ich glaube, diese Erfahrung, dass man die Transparenz weitertreiben muss, die setzt auch neue Maßstäbe. Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Details zu den Abläufen sehen und bewertet sie auch rechtlich. Und ich glaube nicht, dass es das oft in der Vergangenheit gegeben hat, und wenn es das in Zukunft immer gibt, wird es auch unsere Republik offenkundig auch zu mehr Transparenz positiv verändern…"

Wulff: "…Also bei 400 Fragen - und wenn gefragt wird, was es zu essen gab bei Ihrer ersten Hochzeit und wer Ihre zweite bezahlt hat und ob Sie den Unterhalt für Ihre Mutter gezahlt haben - und ich könnte jetzt tausend Sachen mehr nennen - und wer die Kleider für Ihre Frau bezahlt hat, welche geliehen waren, welche sozusagen als geldwerter Vorteil versteuert werden -, dann kann ich nur sagen: Ich geb Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten. Da ist jetzt etwas, was einen dann innerlich auch nach solchen drei Wochen irgendwo freimacht, dass man sagt: Also jetzt ist wirklich alles von innen nach oben und umgekehrt gewendet. Und man muss sich dann auch fragen, ob nicht dann auch es irgendwann akzeptiert wird, dass auch ein Bundespräsident ein privates Leben haben darf…"
 

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