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Der Kommentar

Tjark Bartels, wer denn sonst?

Von Ralph  L o r e n z

Wenn nicht er, wer dann? Die Frage war nicht nur provozierend sondern auch vom Tonfall her arrogant. Sie besagt aber sehr viel über die möglichen Ursachen für die Wahlniederlage des Landratskandidaten Uwe Schünemann.

Ein ehemaliger Minister als Landratskandidat? Das klang zunächst nach Selbstläufer und Glamour. Motto: Bekanntheitsgrad schlägt die politischen Inhalte. Doch ein Trumpf ist noch keine Garantie für einen Triumpf. Pokerspieler wissen das. CDU-Kreisvorsitzender Otto Deppmeyer hat sich damit gewissermaßen verzockt. Und das nicht zum ersten Mal. Man erinnert sich an den Landratskandidaten Dr. Stephan Walter, der sich in einen VW Käfer zwängte und mit sägendem Motor und knarrendem Gangwechsel durchs Weserbergland tourte. Ihm ging nicht nur das Benzin aus. Auch die Argumente.


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Er landete abgeschlagen zum damals zur Wiederwahl stehenden Landrat Rüdiger Butte. Eine Schlappe für den Schlapphut. Auch Walter war aus dem Niedersächsischen Innenministerium, kam vom Verfassungsschutz. Ein schlechtes Omen offenbar.

Nein, eine glückliche Hand hat Deppmeyer bei der Auswahl seines „Personals“ bisher nicht gehabt. Uwe Schünemann war eine Nummer zu groß für diesen Job und ist eine Nummer zu tief gelandet. Einer wie er polarisiert und das war möglicherweise auch so gewollt um die CDU-Wählerschaft im Weserbergland zu mobilisieren. Es ging aber gründlich schief.

Man stelle sich vor, es war Stichwahl und keiner von den Christdemokraten ging mehr hin.  Die noch in der ersten Wahlnacht angekündigte breite Unterstützung des bunten Flickenteppichs von Rot-Grün bis Weser-Piraterie für den SPD-Kandidaten Tjark Bartels hat die Aussichtslosigkeit signalisiert. Viele CDU-Wähler sind desillusioniert zuhause geblieben. Damit hatte Schünemann schon vor der Stichwahl verloren, wurde von der eigenen Klientel im Stich gelassen.

Es waren keine lokalbezogenen Argumente, die gegen Schünemann ins Feld geführt worden sind, sondern abgedroschene Keulen aus dem Waffenarsenal der Landespolitik. Als müsste im Kreishaus vorrangig über Abschiebepraktiken entschieden werden oder der Verfassungsschutz auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung stehen. Der Kommunalpolitiker Schünemann hatte keine Chance mit seinen diskussionswürdigen Thesen zur Wirtschaftspolitik durchzudringen. Jene, die ihn im Namen der Fairness zu bekämpfen glaubten, haben sich selbst nicht daran gehalten. Von den eigenen Leuten im Regen stehen gelassen, von den Gegnern verunglimpft. Der Triumphzug wurde zum Spießrutenlauf durch die politische Landschaft. Hätte es überhaupt eine hausgemachte Alternative zu Schünemann gegeben? Gewiss doch. In Coppenbrügge gibt es den CDU-Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka, der in Folge für stabile CDU-Mehrheiten sorgt indem er integriert statt polarisiert. Er würde sich nahtlos in eine schwarz-grüne Landschaft einfügen, wenn sie denn eine Präferenz in Berlin bekäme.

Zurück nach Hannover: Mal schauen wie kurzatmig die Debatte über den jüngsten Verfassungsschutz-Skandal im Landtag verläuft oder ob nach der Landratswahl die Luft raus ist, was Schünemann betrifft und damit verräterisch wäre. In Niedersachsen wie auch in den anderen Bundesländern gibt es ja aus gegebenem Anlass einiges aufzuarbeiten. Zu beobachten wäre auch die Abschiebepraxis des Schünemann-Nachfolgers Pistorius.

Dem gewählten Landrat Tjark Bartels ist jetzt eine ruhige Hand zu wünschen und die Souveränität seines Vorgängers Rüdiger Butte, der sich parteipolitisch freigeschwommen hatte. Bartels war hierzulande bis vor wenigen Wochen so unbekannt, dass er keinerlei Angriffsflächen geboten hat. Ein „no name“ – aber immerhin mit dem Potential sich einen Namen zu machen wie sein Vorgänger. Tjark Bartels hat jetzt mit seiner Unaufgeregtheit und Sachlichkeit im Kreishaus eine faire Chance verdient.

Das Beste zum Schluss. Die gelungene Bartels-Präsentation ist einzig und allein der politisch-geniale PR-Streich von „LöMö“. Merke: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine kluge Frau. Die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller ist damit zur Legende im Weserbergland geworden.

Sie ist die eigentliche Siegerin dieser Stichwahl und der wahre Gegner von Uwe Schünemann gewesen. Nur, der hat's zu spät gemerkt.
 

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