Die Masche mit dem Geistergeld aus Afghanistan
Betrüger wollten Geschäftsmann aus Hildesheim mit „Wash-Wash“-Trick übers Ohr hauen

Montag 9. Februar 2015 - Hildesheim (wbn). Geldwäsche der besonderen Art. Ein Geschäftsmann mit dem Wunsch nach schnellem Verdienst, zwei seriös wirkende Männer mit Chemie-Kenntnissen und schwarz eingefärbtes „Geistergeld“ aus dem Iran oder Afghanistan – diese denkwürdigen Eckdaten beschäftigen seit vergangenem Mittwoch Polizei und Staatsanwaltschaft in Hildesheim.

Vorausgegangen war dem Fall ein geplanter Deal zwischen dem Kaufmann (30) und den zwei Männern, die den Geschäftsmann mit dem selten angewendeten „Wash-Wash“-Trick um sein Geld bringen wollten. Demnach verfügten die beiden angeblich über Banknoten im Wert von mehr als drei Millionen Euro aus dem Ausland, die jedoch schwarz eingefärbt worden seien um sie unbrauchbar zu machen. Jedoch: Mit Hilfe von etwas echtem Geld, Alufolie und ein wenig Chemie könnten die Geister-Scheine wieder brauchbar gemacht werden.

(Dieses Geistergeld konnten Ermittler neben etwas Alufolie, Flüssigkeit und nach Waschmittel riechendem Pulver sicherstellen. Foto: Polizei)

 

 

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Der Geschäftsmann hatte die Geschichte offenbar zunächst geglaubt, wurde aber in letzter Sekunde misstrauisch. Bevor es zu einem weiteren Treffen kam, informierte er sich im Internet und stieß so auf die „Wash-Wash“-Masche der Trickbetrüger. Die Folge: Zur Verabredung erschienen nicht nur er und die beiden Männer, sondern auch die Polizei. Die beiden mutmaßlichen Betrüger (34, 47) wurden festgenommen, einer von ihnen durfte später wieder gehen.


Nachfolgend die gemeinsame Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei aus Hildesheim:

„Die Ermittler der Hildesheimer Polizei haben es mit einem selten angewandten Betrugsfall zu tun. Klappt der sogenannte Wash Wash Trick, ist der Betrogene sein eingesetztes Geld, meistens ein höherer Bargeldbetrag, in jedem Fall los. Die Täter gehen dabei professionell und souverän vor.

Am Mittwoch, 4.2.2015, erschien bei der Hildesheimer Polizei ein 30-Jähriger Geschäftsmann aus Hildesheim. Er schilderte, Montagmittag (2.2.) in seinem Geschäft von zwei Männern aufgesucht worden zu sein. Es sei ein Geschäft mit einem Umfang von 200.000 EUR in Aussicht gestellt worden, das der 30-Jährige aber nicht habe erfüllen können. Da die beiden Männer einen vertrauensvollen Eindruck gemacht hätten, habe das Gespräch etwas länger gedauert. Nebenbei hätten die Männer erwähnt, über 3 Millionen EUR sogenanntes "Geistergeld", das aus dem Iran bzw. Afghanistan stamme,  zu verfügen.

Dieses Geld sei jedoch unbrauchbar gemacht worden, in dem es schwarz eingefärbt sei. Es sei jedoch möglich, dies durch Einsatz von Chemikalien wieder brauchbar zu machen. Um ihre Behauptung zu beweisen, hätten die beiden Männer zwei 50 EUR-Scheine verlangt. Neugierig geworden habe der 30-Jährige zwei 50EUR Scheine übergeben und sich die Seriennummern aufgeschrieben. Nun seien diese beiden Scheine zwischen das "Geistergeld" gesteckt, mit einer Flüssigkeit besprüht und alles zusammen in Alu-Folie gewickelt worden. Dann habe man die vermeintliche Chemikalie eine Zeitlang einwirken lassen. Das "Geistergeld" sei danach mit warmem Wasser abgespült worden. Neben den beiden mit Seriennummer notierten Scheinen hätten sich weitere vier 50.--EUR Scheine vorgefunden, die sich vom "Geistergeld" in echtes Geld umgewandelt haben sollen.

Der Geschäftsmann sei endgültig überzeugt worden, als man ihn zur Prüfung der sechs Geldscheine in ein Geldinstitut geschickt habe, welches die Echtheit aller Euronoten bestätigt haben soll. Das Umwandeln des Geldes funktioniere auch mit größeren Geldbeträgen, hätten die beiden Männer versichert. Je mehr Geld eingesetzt werde, desto mehr  "Geistergeld" könne hinzugetan werden. Als Gewinnmarge habe man dem 30-Jährigen zu seinem eingesetzten Geld noch 30 % des gewaschenen Geldes in Aussicht gestellt. Davon überzeugt schnelles Geld machen zu können, habe der Geschäftsmann sein Mitmachen zugesagt, allerdings müsse er zunächst noch weiteres Geld zusammentragen.

Für die beiden Männer kein Problem. Man habe die Handynummern ausgetauscht, um ein weiteres Treffen vereinbaren zu können. Am Tag darauf kamen dem Geschäftsmann dann aber doch noch Zweifel. Im Internet begab er sich auf Suche und wurde schnell fündig. Seitenlang erstreckten sich dort Hinweise und Sachverhalte auf den sogenannten "Wash Wash" Trick.

Am Mittwoch setzte sich der 30-Jährige mit der Polizei in Verbindung, die sofort die Ermittlungen aufnahm. Nachdem der 30-Jährige per Handy einen Kontakt zu den beiden Männern hergestellt und signalisiert hatte, über genug Geld zu verfügen, so dass die Aktion beginnen könne, traf man sich einige Zeit  später an verabredeter Stelle. Es erfolgte die Festnahme der beiden Personen, 34 und 47 Jahre alt, und die Durchsuchung eines von ihnen mitgeführten Trollis. Hierin befanden sich mehrere in Folie eingewickelte Stapel mit "Geistergeld", Alu-Folie und weitere Behältnisse mit Flüssigkeit sowie ein nach Waschmittel riechendes Pulver.

Beide Tatverdächtige machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Der 47-Jährige wurde wegen nicht ausreichender Haftgründe (Wohnsitz in der Bundesrepublik) entlassen. Gegen den 34-Jährigen erließ das Amtsgericht auf Antrag der Hildesheimer Staatsanwaltschaft einen  Haftbefehl wegen Betruges und Fluchtgefahr. Da nicht auszuschließen ist, dass der 30-Jährige Geschäftsmann das einzige Betrugsopfer in Stadt und Landkreis Hildesheim ist, sollten sich mögliche weitere Geschädigte oder auch Personen, die lediglich kontaktiert worden sind, bei der Polizei Hildesheim unter Telefon 05121-939115 melden.“