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Beanstandungsquote in Niedersachsen gesunken
Innenminister Pistorius zieht positive Bilanz des Blitzmarathons – nur wenige Extrem-Verkehrssünder

Freitag 17. April 2015 - Hannover/Hameln (wbn). Das Blitzlichtgewitter ist vorbei und das Donnerwetter blieb weitgehend aus. Nach dem heute Nacht zu Ende gegangenen 3. bundesweiten Blitzmarathon zieht Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) eine positive Bilanz.

An 516 Messstellen haben 750 Polizisten und 80 Mitarbeiter von Kommunen exakt 184.003 Fahrzeuge kontrolliert. Der überwiegende Großteil der Autofahrer hielt sich dabei an Tempolimits. Pistorius bringt es auf den Punkt: „Raserei war beim angekündigten Blitzmarathon nicht angesagt“. Seinem Ministerium sind im ganzen Land nur gerade einmal drei Negativ-Ausreißer besonders aufgefallen.

 

 

Fortsetzung von Seite 1

In der Region Hannover etwa war ein Autofahrer doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt. Auf einer Bundesstraße wurde er in einer 70er-Zone mit Tempo 140 gemessen.

Im Landkreis Hildesheim bei Sorsum fuhr ein Motorradfahrer auf der Bundesstraße 1 statt der erlaubten 70 Kilometer pro Stunde mit Tempo 159.

Bei einem 50-jährigen Golffahrer aus Wolfsburg ist neben einem Geschwindigkeitsverstoß auch noch ein Strafverfahren eingeleitet worden. Er war an der Bundesstraße 248 zunächst fast 50 Stundenkilometer über dem erlaubten Tempo 100. Bei der Kontrolle stellte die Polizei fest, dass der Fahrer unter Einfluss von Kokain hinterm Steuer saß.

Beanstandungsquote in Niedersachsen gesunken

An landesweit 516 Messorten kontrollierten ungefähr 750 Polizisten sowie fast 80 kommunale Beschäftigte insgesamt etwa 184.000 Verkehrsteilnehmer. Dabei wurden 5.165 Tempoverstöße gezählt, was einer Beanstandungsquote von 2,81 Prozent entspricht. Beim ersten bundesweiten Blitzmarathon im Herbst 2013 lag diese Zahl bei 3,14 Prozent, bei der zweiten bundesweiten Aktion im Herbst 2014 bei 3,49 Prozent. An vergleichbaren Tagen – ohne angekündigte Kontrollen – errechnet die Polizei meistens eine Quote von etwa elf Prozent.

Die Anzahl der Geschwindigkeitsverstöße im Verwarngeldbereich (bis 55 Euro) liegt mit 3.833 gegenüber dem letzten Blitzmarathon im Herbst (3.338) leicht höher. Die Anzahl der Verstöße im Bußgeldbereich (ab 60 Euro mit Punkten) hat ebenfalls zugenommen. Hier zählte die Polizei 1.332 Verstöße gegenüber 975 im vergangenen September. Mit einem Fahrverbot müssen 91 Autofahrer rechnen, bei der letzten Aktion waren es noch 35 Verbote. Mit zu hohem Tempo wurden beim ersten bundesweiten Blitzmarathon vor zwei Jahren 3.559 von rund 112.000 kontrollierten Verkehrsteilnehmern gemessen.

Die Zahl der Verstöße im Verwarngeldbereich betrug damals 2.688 und im Bußgeldbereich 871 Verstöße, 62 Mal wurde ein Fahrverbot verhängt.

Die Ergebnisse für Niedersachsen in Zahlen:

Polizeibeamte im Einsatz: 750 (plus 80 kommunale Beschäftigte)
Messorte landesweit: 516
Kontrollierte Fahrzeuge: 184.003
Geschwindigkeitsüberschreitungen
-  im Verwarngeldbereich: 3.833
-  im Bußgeldbereich: 1.332
Beanstandungsquote
-  Oktober 2013:
3,14 Prozent (1. bundesweiter Blitzmarathon)
-  September 2014:
3,49 Prozent (2. bundesweiter Blitzmarathon)
-  April 2015: 2,81 Prozent (3. bundesweiter Blitzmarathon)

Innenminister Pistorius: „Die Ergebnisse zeigen: Raserei war bei der angekündigten Aktion nicht angesagt. Die meisten Fahrerinnen und Fahrer waren mit gedrosseltem und vorgeschriebenem Tempo unterwegs. Und genau das ist ja unser Ziel: den Autofahrerinnen und Autofahrern klar zu machen, dass Raserei leider viel zu oft tödlich endet und dass jede und jeder sicherer unterwegs ist, wenn sie oder er den Fuß vom Gaspedal und Rücksicht auf andere nimmt“.

Der Blitzmarathon war Donnerstagmorgen um 6 Uhr gestartet und wegen der zentralen Gedenkfeier in Köln für die Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen um Mitternacht zu Ende gegangen – und nicht wie in der Vorjahren erst nach 24 Stunden.

Im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheitsinitiative 2020 (VSI 2020) werde es in Niedersachsen auch zukünftig weitere intensive Kontrollen geben, heißt es aus dem Innenministerium in Hannover. Ziel der VSI 2020 ist es, die Anzahl der Getöteten und Schwerverletzten in Niedersachsen bis zum Jahr 2020 um ein Drittel zu reduzieren. Der besondere Schwerpunkt liegt dabei auf den Landstraßen, auf denen seit Jahren regelmäßig mindestens zwei Drittel der Unfalltoten zu beklagen sind.


 

Nachfolgend die Polizeiberichte aus den einzelnen Polizeiinspektionen im Weserbergland:

Polizeiinspektion Göttingen

„Eingesetztes Personal: 26; Messstellen: 18; Kontrollierte Fahrzeuge: 4.940; Geschwindigkeitsverstöße: 136, davon 52 im Verwarn- und 84 im Bußgeldbereich - darunter fünf Fahrverbote; weiterhin neun Verstöße gegen das Überholverbot (ausschließlich Lkw), vier Gurtverstöße und ein Verstoß wegen der Nutzung eines Radarwarngerätes (Handy-App).

Auf der B 27 wurden 36 Verstöße registriert. Der höchste Wert erreichte ein Kradfahrer. Bei erlaubten 100 km/h lag er bei 144 Stundenkilometer. In Duderstadt, L 530, Herzberger Straße wurden insgesamt 18 Verstöße festgestellt. Die feste Blitzanlage auf der BAB 7 an der Werratalbrücke in Fahrtrichtung Nord registrierte 87 Verstöße. Durch mobile Kontrollen auf der BAB 7 mit dem PPS-Fahrzeug wurden weitere neun Verstöße registriert. Der Einsatz- und Streifendienst Friedland führte mehrere kleinere Kontrollen durch.

Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden

Eingesetztes Personal: 32; Messstellen:17; Kontrollierte Fahrzeuge: 7.663; Geschwindigkeitsverstöße: 122, davon 98 im Verwarn- und 24 im Bußgeldbereich - darunter drei Fahrverbote. Spitzenreiter war ein Autofahrer, der auf der Bundesstraße 217 zwischen Hameln und Springe im Bereich Hachmühlen von Landkreis-Mitarbeitern mit 173 km/h gemessen wurde (erlaubt sind in diesem Abschnitt 100 km/h).

Dabei gab es deutlich weniger Geschwindigkeitsüberschreitungen als an vergleichbaren Tagen; die Autofahrer legten ein sehr diszipliniertes Fahrverhalten an den Tag. Im Kontrollzeitraum ereigneten sich im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden neun Verkehrsunfälle; einer davon mit Personenschaden. Hier prallte um 18.35 Uhr ein 18-Jähriger auf der Landesstraße 432 zwischen Königsförde und Aerzen mit einem Pkw Volvo gegen einen Baum, nachdem er aus nicht bekannten Gründen nach rechts von der Fahrbahn abkam. In diesem Streckenabschnitt wurden keine Überwachungsmaßnahmen im Rahmen des Blitzmarathons durchgeführt.

Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg

Eingesetztes Personal: 20; Messstellen: 20; Kontrollierte Fahrzeuge: 552; Geschwindigkeitsverstöße: 104, davon 82 im Verwarn- und 22 im Bußgeldbereich - darunter drei Fahrverbote. Erwähnenswert sind drei Autofahrer auf der OU Rodenberg in Höhe Seefeld: Hier wurden unmittelbar hintereinander drei Fahrzeuge statt der erlaubten 70 km/h mit Tempo 94 gemessen. Alle drei Verstöße werden mit 70 Euro und einem Punkt geahndet.

Auffällig war ein Fahranfänger, der auf der B 65 im Bereich Obernkirchen-Gelldorf, einem Unfallschwerpunkt, unterwegs war. Er hatte 100 km/h auf dem Tacho, wo nur 50 Stundenkilometer erlaubt sind. Dem jungen Mann drohen neben Geldbuße, Punkten und Führerscheinentzug auch eine Nachschulung und Verlängerung der Probezeit.

Polizeiinspektion Northeim/Osterode

Eingesetztes Personal: 34; Messstellen: 16; Kontrollierte Fahrzeuge: 4.514; Geschwindigkeitsverstöße: 458, davon 335 im Verwarn- und 123 im Bußgeldbereich - darunter 12 Fahrverbote.

Bei einem der zu schnellen Verkehrsteilnehmer wurde Drogenkonsum festgestellt. Dementsprechend wurde eine Blutprobe entnommen und Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Polizeiinspektion Hildesheim

Eingesetztes Personal: 32; Messstellen: 13; Kontrollierte Fahrzeuge: 17.664; Geschwindigkeitsverstöße:168 , davon 48 im Verwarn- und 120 im Bußgeldbereich - darunter acht Fahrverbote.

Trauriger Spitzenreiter war ein Motorradfahrer, der mit 159 km/h auf der B1 Höhe Abfahrt Sorsum (in Richtung Hildesheim) gemessen wurde. Bei kombinierten Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen auf der A 7, Höhe Anschlussstelle Hildesheim in Fahrtrichtung Hannover wurden zudem 71 Abstandsverstöße festgestellt.

Polizei Minden-Lübbecke

„Mit dem achten Blitz-Marathon im Kreis Minden-Lübbecke zeigt sich die heimische Polizei zufrieden. Kreisweit wurden am Donnerstag 11.931 Verkehrsteilnehmer kontrolliert. Dabei wurden 467 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Nur knapp vier Prozent sind damit zu schnell gefahren.

"Der Blitz-Marathon war ein guter Tag für die Verkehrssicherheit im Mühlenkreis", bilanziert Landrat und Behördenleiter Dr. Ralf Niermann. "Viele Autofahrer beachteten die jeweils vorgeschriebene Geschwindigkeit". Zudem wurde der Polizei am Einsatztag kein einziger Verkehrsunfall mit Verletzten gemeldet.

Ab 6 Uhr bis Mitternacht waren nicht nur gut 40 Polizisten an den 54 Messstellen im Mühlenkreis im Einsatz. Auch die Radarwagen der Stadt Minden und des Kreisstraßenverkehrsamtes beteiligten sich an dem Blitz-Marathon. 360 Verkehrssünder mussten ein Verwarnungsgeld bezahlen. Eine Anzeige erhalten in den kommenden Tagen 40 Verkehrsteilnehmer. Vier Fahrzeugführer müssen zudem mit einem Fahrverbot rechnen.

Trotz der umfangreichen Berichterstattung in den Medien und der Veröffentlichung der Messstellen im Vorfeld wurde ein Autofahrer auf der Rahdener Straße in Hille gleich doppelt gemessen. Das Messgerät der Beamten zeigte 65 und ein weiteres Mal 66 km/h bei erlaubten 50 Stundenkilometer an. Doch diese "Doppelmessung" stellte eine Ausnahme dar.

Trauriger Spitzenreiter war allerdings ein Fahrzeugführer auf der Friedewalder Straße in Petershagen. Er war innerhalb der Ortschaft mit Tempo 93 unterwegs. Ihn erwartet neben einem Bußgeld auch ein Fahrverbot.

Bei den Kontrollen ahndeten die Einsatzkräfte zudem vier Verstöße gegen die Gurtpflicht. In weiteren vier Fällen schritten die Ordnungshüter wegen der verbotswidrigen Nutzung des Handys am Steuer ein.

Da der Blitz-Marathon nur ein Baustein der langfristigen Strategie der Polizei gegen Geschwindigkeitsunfälle ist, werden die heimischen Beamten ihre täglichen Geschwindigkeitskontrollen auch weiterhin fortsetzen. "Jeder der zu schnell fährt, muss zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Tempokontrollen rechnen", betont die Polizei.“

Polizei Lippe

„Die Kreispolizeibehörde Lippe zieht nach dem insgesamt achten Blitzmarathon eine positive Bilanz. Bei dem nicht nur bundes- sondern europaweiten Blitzmarathon, der dieses Mal statt 24 Stunden lediglich 18 Stunden andauerte, wurden im Kreisgebiet Lippe insgesamt knapp 9.200 Fahrzeuge kontrolliert. Die meisten Kraftfahrer waren diszipliniert und hielten sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten. Trotz der umfangreichen Berichterstattung in den Medien fuhren 319 Verkehrsteilnehmer zu schnell. Das entspricht einer Beanstandungsquote von knapp 3,5 %. Davon -und auch das ist durchaus positiv zu bewerten- lagen die meisten Geschwindigkeitsüberschreitungen im sogenannten "Verwarngeldbereich". Das bedeutet, dass diese Verkehrsteilnehmer zwar zu schnell fuhren, jedoch nicht so schnell, dass Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei oder gar ein Fahrverbot drohen. Als "Ausreißer" kann man dementsprechend einen jungen Mann bezeichnen, der am Donnerstagnachmittag mit seinem Audi in Horn-Bad Meinberg durch eine Tempo-30-Zone fuhr. Auf der Steinheimer Straße wurde er mit 81 km/h gemessen. Abzüglich einer vorgeschriebenen Toleranz wird der junge Fahrer mit einem Bußgeldbescheid über 200 Euro rechnen müssen. Darüber hinaus wird er zwei Punkte in Flensburg bekommen und er muss vier Wochen auf die Nutzung eines Kraftfahrzeugs verzichten. In Detmold fiel außerdem ein junger Mann auf, der unter dem Einfluss vonBetäubungsmitteln fuhr. Ihm wurde eine Blutprobe entnommen. Die Kreispolizeibehörde hat an insgesamt 30 Messstellen die Geschwindigkeit überwacht. Darunter befanden sich natürlich auch die 10 Stellen, für die lippische Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld abgestimmt haben. Der Kreis Lippe unterstützte die Polizei bei dem Blitzmarathon mit zwei Radar-Teams. Hier lag die Beanstandungsquote bei 2,2 %, was die disziplinierte Fahrweise der Verkehrsteilnehmer an dem Tag unterstreicht. Die Polizei Lippe wird auch außerhalb der Blitzaktionen im Rahmen der Kampagne "Respekt vor Leben - Ich bin dabei!" gegen überhöhte Geschwindigkeit vorgehen, denn die ist nach wie vor die Hauptunfallursache und demzufolge der "Killer Nummer 1" auf unseren Straßen. Wir wollen nicht erst warten, bis wir schwere Verkehrsunfälle aufnehmen müssen, sondern wir kontrollieren frühzeitig dort, wo Gefahren bestehen und gerast wird. Nicht die Anzahl der "Knöllchen" ist entscheidend, sondern Ziel ist es, das Geschwindigkeitsniveau nachhaltig zu senken. Helfen auch Sie dabei mit, unsere Straßen sicherer zu machen und Unfälle mit schlimmen Folgen zu vermeiden!“

 

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