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"Wir stärken unsere Position auf dem Heimatmarkt"

Klare Ansage von Big Boss Cryan: Postbank bleibt bei der Deutschen Bank

Sonntag 5. März 2017 - Frankfurt / Hameln (wbn). Nun wird die feine Hamelner Tochter Postbank doch nicht an den Mann gebracht: Nach einer Aufsichtsratssitzung hat die Deutsche Bank wissen lassen, dass die Postbank nicht, wie ursprünglich geplant, verkauft wird. Vielmehr soll sie in das Privat- und Firmenkundengeschäft des Konzerns integriert werden.

John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hat heute in einer Nachricht an seine Mitarbeiter unter anderem Folgendes mitgeteilt: „Der Vorstand hat beschlossen, die Strategie vom Herbst 2015 an mehreren Stellen grundlegend anzupassen und ein entscheidendes Stück weiterzuentwickeln. Dem hat der Aufsichtsrat heute zugestimmt.


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Im Zentrum stehen drei große Themen:

— Wir stärken unsere Position auf dem Heimatmarkt, indem wir die Postbank und unser Privat- und Firmenkundengeschäft zusammenführen und so den klaren Marktführer in Deutschland schaffen.
— Wir setzen Wachstumskräfte in unserer Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management frei, indem wir einen Minderheitsanteil an die Börse bringen.
— Und indem wir eine integrierte Unternehmens- und Investmentbank schaffen, stärken wir das Geschäft mit international agierenden Unternehmen. Das ist es, was die Deutsche Bank seit ihrer Gründung ausmacht.

Eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg unserer Strategie ist eine starke Kapitalausstattung. Der Vorstand hat deshalb entschieden, bis zu 687,5 Millionen neuer Aktien auszugeben. Wir erwarten einen Erlös von rund acht Milliarden Euro. Nach den zukünftig geltenden Kapitalregeln würden wir damit eine Kernkapitalquote von etwa 14 Prozent erreichen und so einen großen Unsicherheitsfaktor beseitigen. Das dürfte uns weitaus attraktiver für unsere Kunden machen.

Unsere Kunden sind es auch, die im Mittelpunkt unseres strategischen Umbaus stehen. Um unsere Ziele zu erreichen, stellen wir die Deutsche Bank nun auf drei starke Säulen:

— Deutsche Bank und Postbank werden gemeinsam zur mit Abstand größten Privat- und Firmenkundenbank auf unserem Heimatmarkt – wenn auch weiterhin mit separaten Marken. Zu dieser Sparte gehören auch unser internationales Privat- und Firmenkundengeschäft sowie unser weltweites Geschäft mit Vermögenskunden, das Wealth Management, in dem wir weiter wachsen wollen.

Ich persönlich verspreche mir sehr viel von dieser Integration: 20 Millionen Kunden bedeuten einen wichtigen Größenvorteil in einem Markt, in dem der Konsolidierungsdruck angesichts der niedrigen Zinsen weiter zugenommen hat. Außerdem bleibt die Digitalisierung das dominierende Thema – und hier sind sowohl die Deutsche Bank als auch die Postbank zuletzt ein großes Stück vorangekommen. Rund zehn Millionen unserer Kunden nutzen bereits unser digitales Angebot.

Wir im Vorstand sind uns bewusst, dass manche einen Zusammenschluss von Postbank und Deutscher Bank skeptisch sehen – zumal wir damit unseren bisherigen Kurs im heimischen Privatkundengeschäft erneut ändern. Aber die Voraussetzungen sind nun bessere, weil sich die Rahmenbedingungen und die Regulierung geändert haben. Dies macht einen Verbleib der Postbank im Deutsche-Bank-Konzern attraktiver, als dies vor zwei Jahren zu erwarten war.

— Unser Vermögensverwalter Deutsche Asset Management bleibt ein integraler Bestandteil des Konzerns, wird aber durch den Teil-Börsengang unabhängiger in seinem Geschäft. Der Erfolg vieler unabhängiger Vermögensverwalter spricht für diesen Ansatz. Durch das eigenständige Profil der Deutschen Asset Management sind wir auch attraktiver für die besten Talente in diesem Segment – eine wichtige Voraussetzung dafür, im Asset Management wieder stärker zu wachsen. Mit dem Börsengang generieren wir außerdem zusätzliches Kapital für den Konzern und machen gleichzeitig den enormen Wert der Deutschen Asset Management sichtbar.

— Die bisherigen Geschäftsbereiche Global Markets und Corporate & Investment Banking (einschließlich der Transaktionsbank) werden in der Unternehmens- und Investmentbank (Corporate & Investmentbank) zusammengeführt. Dabei geht es um mehr als nur ein gemeinsames Dach, wir wollen die Geschäfte enger miteinander verzahnen. Der Schwerpunkt wird künftig auf den multinationalen Unternehmen liegen, die wir in den zentralen Fragen von der Finanzierung über den Zahlungsverkehr und die Absicherung von Geschäften bis hin zu Fusionen und Übernahmen beraten wollen. Viele dieser Kunden arbeiten bislang lediglich mit einem der drei Bereiche zusammen. Das soll sich ändern, und mit der neuen Struktur schaffen wir dafür die Voraussetzungen.

Gleichzeitig möchte ich betonen: Wir sind stolz auf unsere Kapitalmarktexpertise und unser starkes Geschäft mit vielen institutionellen Kunden. Das schließt den US-Markt und die Region Asien-Pazifik ausdrücklich mit ein.
Mit dieser Aufstellung sehen wir gute Chancen, im Unternehmens- und Investmentbanking zu wachsen. So wollen wir unser Profil als führende europäische Bank mit globalem Netzwerk stärken.

Gleichzeitig geht es darum, unsere Kosten noch besser zu kontrollieren. Im vergangenen Jahr haben wir hier viel erreicht. Doch angesichts des schwierigen Umfelds sind weitere Einschnitte unumgänglich. Bis 2021 wollen wir unsere bereinigten Ausgaben von zuletzt 24,1 Milliarden Euro auf 21 Milliarden Euro pro Jahr senken. Nachdem wir bereits erfolgreich begonnen haben, unsere Ausgaben zu verringern, bin ich umso zuversichtlicher, dass wir diese Ziele erreichen werden.

Im nächsten Schritt soll die Infrastruktur dort, wo es sinnvoll und möglich ist, wieder stärker in die drei Geschäftsbereiche übergehen. So schaffen wir mehr direkte Verantwortung und senken die Kosten. Dabei müssen allerdings die zentralen Standards und Kontrollen gewahrt bleiben.

Bei manchen dieser Themen fragen Sie sich nun vielleicht: Ist das nicht ein Schritt zurück? Hatten wir das nicht schon?

Richtig ist: Wir haben nicht einfach alte Konzepte wiederbelebt, wie Sie bei einem genaueren Blick erkennen werden. Wir haben – ohne Denkverbote – eine Aufstellung gewählt, die angesichts des dynamischen Marktumfelds und der neuen regulatorischen Bedingungen die richtige ist, um schnell und schlagkräftig auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Wir werden die Erfahrungen der Vergangenheit nutzen, um den anstehenden Umbau zu bewältigen. Ihre Erfahrung ist hier gefragt. Wir werden es gemeinsam und richtig machen.

Wir sind fest davon überzeugt, dass wir so eine stärkere Deutsche Bank schaffen, die wieder wachsen kann und wird – und das in allen drei Geschäftsbereichen. Das ist die Aufgabe des neuen Führungsteams, das der Aufsichtsrat heute bestätigt hat:

— Unsere neue Privat- und Firmenkundenbank werden perspektivisch Christian Sewing und Frank Strauß leiten.
— Die Deutsche Asset Management wird weiterhin von Nicolas Moreau geführt.
— Die Leitung der neuen Unternehmens- und Investmentbank soll Marcus Schenck im Laufe des Jahres mit Garth Ritchie übernehmen. Über seine Nachfolge im Amt des Finanzvorstands wird der Aufsichtsrat zu gegebenem Zeitpunkt entscheiden.

Jeff Urwin wird nach einer Übergangsphase aus dem Vorstand ausscheiden, die Bank aber weiterhin unterstützen, insbesondere in regulatorischen Fragen in den USA. Die Aufgaben meiner Vorstandskollegen Kim Hammonds, Stuart Lewis, Sylvie Matherat, Karl von Rohr und Werner Steinmüller bleiben unverändert.

Künftig werde ich im Vorstand zusätzlich für unser USA-Geschäft verantwortlich sein. Auch deshalb freue ich mich, dass der Aufsichtsrat meinem Wunsch gefolgt ist und nun zwei stellvertretende Vorstandsvorsitzende ernannt hat: Gemeinsam mit Marcus Schenck und Christian Sewing werde ich alles dafür tun, dass wir als Deutsche Bank unserer prominenten Rolle auf dem Heimatmarkt noch besser gerecht werden und unsere ehrgeizigen Ziele schneller erreichen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin stolz darauf, wie wir gemeinsam unsere Bank seit Herbst 2015 weitergebracht und die schwerste Krise seit Jahrzehnten hinter uns gelassen haben. Mit den heutigen Entscheidungen schaffen wir eine stärkere Deutsche Bank, die wieder nach vorne schauen kann und wachsen wird.

Lassen Sie uns gemeinsam die Chancen beherzt ergreifen und wieder auf Offensive umschalten…“

 

 

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