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Der Kommentar zum Dorfwettbewerb

Hat unser Dorf wirklich Zukunft? Die Schicksalsfrage ist gewiß nicht mit der Schönheit der Blumenbeete im Vorgarten verknüpft!

Von Ralph Lorenz

Der Landkreiswettbewerb „Dorf mit Zukunft“ hat mehr Zukunft und ist spannender als gedacht. Mit ihm verknüpft sich die Schicksalsfrage der demographischen Entwicklung. Fuhlen bei Hessisch Oldendorf hat verdient den ersten Platz belegt, ist aber auch exemplarisch für die allgemeine Problemstellung. 800 Seelen zählt das bezaubernde Dörfchen. Wie viele werden es in 10, 20 Jahren sein?

Wird es attraktiv genug sein der wieder begonnenen Landflucht entgegen zu wirken? Die Ausdünnung der Fläche wird fortschreiten.  Liebevoll angelegte Vorgärten, demonstrativ herausgehängte Fahnen mit Ortswappen-Motiv und frisch gestrichene Fassaden können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese idyllischen Gemeinwesen in Schönheit zu vergreisen drohen. Da ist jeder Spielplatz, jeder neue Kindergarten mit Kinderlärm der eigentliche Hoffnungsschimmer. Schön, dass Umweltminister Hans-Heinrich Sander die aus Afrika einfliegenden Störche auch ohne Schleuserbanden davon überzeugt hat, verstärkt ins Weserbergland zu ziehen. Aber was haben die Hebammen davon? Der Erhalt eines vitalen Dorflebens gewinnt auch im Kriterienkatalog des Zukunftswettbewerbes immer mehr an Bedeutung. Gemeinden, die hier besser dastehen, sollten für diesen Sozial-, Kultur- und Gemeinschaftsaspekt mehr Bonuspunkte erhalten als Ortschaften mit einem zwar schön restaurierten Kirchlein und schnuckeligen Fachwerkfronten, aber verödeten Veranstaltungskalender. Wenn nicht mal mehr das DRK seinen Blutspendetermin durchführt, ist der Ort ausgeblutet. Ein Konglomerat von zum Museum konservierten Dörfern wäre das Schreckgespenst des Weserberglands. Der Wettbewerb um das Dorf mit Zukunft findet nicht an zwei Tagen, sondern an 365 Tagen im Jahr statt.Auf allen Ebenen. Infrastruktur, Wirtschaft, Kultur.

In der Großstadt wird der Nachbar nicht mal mehr ignoriert

Fortsetzung von Seite 1

Zukunft hat ein Dorf, wenn die Gemeinde auch das wirtschaftliche Dorfleben mitträgt und in Solidarität beim heimischen Bäcker einkauft. Lokalpatriotismus? Aber gerne! Auch wenn die Tante im örtlichen Emma-Laden ein paar Cent mehr verlangen muss, sollten die Sinas, Lenas und Mandys der jungen Generation mit ihren schicken Namen lernen den Besuch im herkömmlichen Kaufmannsladen auch mal als Beitrag zum Ortsleben zu verstehen und nicht nur die nächste austauschbar-sterile Großstadt- "Galerie" zur Einkaufsnorm zu erheben. Sie bekommen nämlich an der dörflichen Kasse ganz nebenbei, wo das „..aaallo“ noch ein echtes Wiedererkenn- „Hallo“ ist und nicht von der Supermarkt-Grußverordnung abgetrotzt wurde, einen wirklichen Mehrwert mitgeliefert: Den Dorfklatsch für alle Altersgruppen. Das ist das mit schnellem Seitenblick Halbgeflüsterte, das nicht in der Zeitung steht. Wer gerade den Führerschein macht. Besoffen im Beet gelandet ist. Neuerdings Bäuchlein zeigt. Oder sich schon wieder Urlaub leistet. Aber auch: Wo die Bauchtanzgruppe im Hinterzimmer die Hüfte schwingt oder Gitarrenunterricht erteilt wird. Dieser dörfliche Klatsch, zuweilen schadenfroh und mega-ätzend, mit seinen erlesenen Bosheiten, ist der Zement des Gemein-Wesens. Unterm Strich beweist er aber: Man weiß voneinander. Und nimmt sich wahr. Und daraus kann sogar Nachbarschaftshilfe entstehen. In der Großstadt kennt man nur das nächste Schnäppchen im Supermarkt, das angesagte Fitnesszentrum, nicht aber den Nachbarn. Da wird der Nachbar im Hochhaus gar nicht mal mehr ignoriert.

Wenn der letzte Dorfladen stirbt, kommt so langsam der Sandmann

Es ist eine gnadenlose Schrittfolge: Wenn der letzte Dorfladen stirbt, kommt so langsam der Sandmann. Dann hat bald auch die örtliche Feuerwehr Mühe ihre Mindestzahl der Aktiven aufzufüllen. Wenn die weg ist, gibt’s keine Feste mehr. Ohne Feste kein Zusammenhalt. Nicht mal Krach. Der Pastor existiert, wenn überhaupt, nur noch als Halbtagsstelle mit knappen Sprechzeiten.

Dann ist auch die Kneipe zu, hoppelt dem Kaninchenverein der Nachwuchs samt ergrautem Vereins-Rammelmeister davon und der Bienenzüchter macht auch keinen Stich mehr. Über den Torpfosten verwittern die Schützenscheiben, das letzte Versicherungsbüro schließt und der Klempner besteht nur noch aus einer Mailbox-Servicenummer. Wenn sich dann ein Alteisenhändler in die Sackgasse verirrt, wird das zum Dorfereignis.

Aber es gibt auch Entwicklungen, die hoffen lassen. Da erfährt man plötzlich, dass die Drehbuchautorin, die den Stoff für die tollen Fernsehserien schreibt, im ländlichen Anwesen im Nachbardorf lebt. Und junge Leute zugezogen sind, die per Internet bundesweit Lampen verkaufen. Ein Heilpraktiker kündigt seine Praxiseröffnung an, weil seine Klientel und er die gesunde Luft zu schätzen wissen. Dienstleister entfliehen dem Großstadtstress, weil sie auf dem Land ihre Leistungsfähigkeit steigern können. Und seltsamerweise siedeln sie sich immer dann an, wenn ein Lotsenfisch schon mal den Anfang gemacht hat.

Es geht also auch andersherum!

Das Dorf braucht seine eigene Ortsauffahrt auf die schnelle Datenautobahn

Die Schlacht ist noch nicht geschlagen. Ob unser Dorf im Weserbergland Zukunft hat? Klar doch! Wenn die Politik endlich mit ihrem Versprechen wahr macht, das Weserbergland an die Breitbandverkabelung anzuschließen. An die Datenautobahn, die jeder braucht, der sich selbständig machen und auf dem flachen Land sein Glück versuchen will, ohne abgehängt zu sein. Außerdem: Die leidvolle Entkoppelung von Arbeit und Familie, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Backstein-Werkhallen die Gewerkschaften auf den Plan gerufen hat, löst sich dank der modernen Internet-Computertechnik wieder auf. Das ist nicht das Aus für die Interessenvertretungen, sondern eine neue Herausforderung aufgrund eines neuen Arbeitnehmertyps, der seine Geschicke selbst in die Hand nimmt. Im Zuge eines intelligent verabredeten Outsourcings lassen sich Arbeit und Familie mit entsprechender Online-Vernetzung wieder zusammenführen. So wie es schon mal in den alten Handwerksfamilien war. Denn die ganze Welt ist zum Dorf geworden. Dank Internet im Breitband-Hochgeschwindigkeitstakt. Eine Technik, die auch den Fullservice moderner Bankautomaten an der Straßenecke oder das Home-Banking am Schreibtisch ermöglicht.

Mitten drin, weil auf dem Dorf. Da, wo das Du noch zählt

In diesem Sinne hat unser Dorf tatsächlich Zukunft. Die Kommunalpolitiker vor Ort müssen sich nur rechtzeitig reinklicken in diesen dynamischen Kommunikationsfluß, der den Unterschied zwischen Dorfmaus und Stadtmaus aufhebt. (Anmerkung: Die Bürger in Börry, dem zweiten Sieger des heutigen Tages, haben das übrigens vor einiger Zeit schon auf Eigeninitiative ihres damaligen Ortsbürgermeisters getan!) Du bist wohl vom Dorfe? Diese Anmerkung muss kein Makel sein, sie kann zum Neidfaktor werden.

 

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