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NDR1 berichtet über Rückrufaktion
Herzschrittmacher defekt – allein in Hannover hunderte Patienten betroffen
Mittwoch 13. Februar 2019 - Hannover (wbn). Der Medizinprodukte-Hersteller Medtronic ruft nach Recherchen von „NDR 1 Niedersachsen“ und „Hallo Niedersachsen“ in Hannover hunderte Herzschrittmacher zurück.

Allein vom KRH Klinikum Siloah haben 590 Patienten in den vergangenen Tagen einen Brief bekommen, der sie über einen „möglichen Funktionsverlust“ informiert und zur Kontrolle einbestellt.
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An der Medizinischen Hochschule Hannover sind 70 Patienten betroffen, am Klinikum Oldenburg 25. Dort geht man davon aus, dass alle Herzzentren in Deutschland die fehlerhaften Medtronic-Geräte eingesetzt haben.
Es geht um verschiedene Herzschrittmacher-Modelle des Herstellers Medtronic, die zwischen März 2017 und Januar 2019 implantiert worden sind.
Chefarzt Prof. Andreas Franke vom KRH Klinikum Siloah erklärt, warum die Herzschrittmacher möglicherweise nicht richtig funktionieren: In manchen sei „ein Fehler enthalten, der dazu führt, dass Signale des Herzens fehlinterpretiert werden und dann keine Impulse abgegeben werden. Sprich: Der Herzschrittmacher macht nicht das, was er tun sollte, nämlich, das Herz antreiben.“
In einer schriftlichen Stellungnahme des Herstellers Medtronic heißt es: „In sehr seltenen Fällen und nur unter bestimmten Voraussetzungen kann es zu einer Stimulationspause kommen.“
Chefarzt Franke spricht von der größten Rückrufaktion, die er bisher erlebt hat. Er geht davon aus, dass in den meisten Fällen eine neue Software ausreicht, damit der Herzschrittmacher wieder einwandfrei funktioniert. Dazu müssten die Patienten nicht operiert werden. Der Hersteller Medtronic arbeitet derzeit an einem Software-Update. Vermutlich sei es nur in wenigen Fällen nötig, den Herzschrittmacher durch eine Operation auszutauschen.
Wieviele Patienten sich bundesweit untersuchen lassen müssen, ist unklar. Denn der Hersteller wollte auf NDR-Nachfrage keine Zahlen nennen. Außerdem gibt es kein bundesweites Register.
Ein solches hält die Niedersächsische Ärztekammer für dringend erforderlich. Darüber hinaus fordert die Ärzteschaft auch ein besseres staatliches Kontrollsystem.
Ärztekammer-Sprecher Thomas Spieker plädiert dafür, dass „staatlich zertifizierte Prüfunternehmen wie der TÜV diese Medizinprodukte dann kontrollieren und testen.“ Bislang könnten sich die Hersteller ihre Gutachter europaweit aussuchen.
Weltweit sind 157.000 möglicherweise fehlerhafte Medtronic-Herzschrittmacher verkauft worden. Bisher gibt es laut dem US-amerikanischem Hersteller Medtronic vier gemeldete Fälle bei zwei Patienten, in denen die Geräte nicht richtig funktioniert hätten.
Die Folge sei jeweils eine Ohnmacht gewesen, wie aus dem Rundschreiben mit der Kontrollempfehlung hervorgeht. Medtronic ist der weltweit größte Hersteller von Medizinprodukten.
 

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