Die Landtagsgrünen wittern eine Überdüngung der Felder in Niedersachsen

Die Duftspuren der Gülle dringen bis in den Landtag - Meyer und Große Macke beackern sich gegenseitig

Hannover/Hameln (wbn). Im Märzen der Bauer... Gegen „Güllebarone“ und „Massentierhaltung“  ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen in Hannover, Christian Meyer,  heute naserümpfend in der Landeshauptstadt ins Feld gezogen. Die Landtagsgrünen werfen der Landesregierung vor, das wahre Ausmaß der Massentierhaltung und der damit verbundenen Gülle-Probleme zu verschleiern.

Auf der Pressekonferenz in Hannover kritisierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende aus dem Weserbergland, dass in der Agrarstatistik des Landwirtschaftsministeriums mehr als  24 Millionen Hähnchen und rund 2,4 Millionen Schweine weniger ausgewiesen werden als in den Listen der Niedersächsischen Tierseuchenkasse. Es könne davon ausgegangen werden, dass auch Landwirtschaftsminister Lindemann diese Zahlendifferenz seit einem langen Zeitraum bekannt sei; offenbar scheue seine Behörde jedoch die Veröffentlichung, um die damit verbundene "Verschärfung der Gülle-Problematik durch zunehmende Belastungen des Grund- und Oberflächenwassers mit Nitrat und Phosphat unter der Decke zu halten".

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Die Landwirtschaftskammer habe dem Ministerium bereits im Januar 2011 mitgeteilt, dass das bisherige Gülle-Kontrollsystem nicht mehr funktioniert. "Aber der Minister reagiert nicht", sagte Meyer. Aufgrund konsequenterer Regelungen in den Niederlanden dränge zudem deutlich mehr Gülle aus dem Nachbarland zu uns, erklärte der Grünen-Politiker mit Verweis auf eine entsprechende Angabe in einem an Landwirtschaftsstaatssekretär Ripke gerichteten Vermerk der Landwirtschaftskammer. Die Hälfte davon komme illegal über die Grenze.

Allein in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta fallen nach Berechnungen der Grünen jährlich etwa 3,3 Millionen Tonnen Gülle zu viel an, die nicht als Dünger auf den örtlichen Feldern untergebracht werden können. "Diese Menge entspricht jährlich rund 130.000 Fahrten mit den größten Gülletankern in andere weit entferntere Gebiete Niedersachsens", sagte Meyer.

Große Macke: Vorwürfe der Grünen sind dreist

Der agrarpolitische Sprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Clemens Große Macke, hat indessen die Behauptung der Grünen, dass zahlreiche Flächen Niedersachsens durch Gülle überdüngt seien, kritisiert. „Das Thema Nährstoffverbringung ist problematisch – das ist längst bekannt. Daher ist der heute von den Grünen in bekannter populistischer Weise vorgestellte Sachverhalt auch kein Skandal. Skandalös ist hingegen, dass die Grünen den Eindruck erwecken wollen, die Landesregierung sei in dieser Frage untätig.“ Große Macke verwies darauf, dass eine „Landesverbringungsverordnung“ für Gülle und Mist bereits durch das Landwirtschaftsministerium auf den Weg gebracht sei.  Große Macke sagte: „Gülle und Mist sind wertvolle Düngemittel.

Im Sinne einer Ressourcen schonenden und nachhaltigen Landwirtschaft müssen wir die Verteilung dieser Nährstoffe effizienter gestalten.“ Der Transport von organischen Düngemitteln, wie etwa Geflügelmist, aus den Regionen mit hoher Tierhaltung sei in erster Linie den strengen Umweltauflagen geschuldet, die von Landwirten mehrheitlich gewissenhaft eingehalten würden, meinte der CDU-Agrarpolitiker. „Jeder Landwirt muss – schon aus eigenem Interesse – sehr gewissenhaft mit diesem Thema umgehen. Anderenfalls drohen empfindliche Sanktionen.“  Aus diesen bekannten Fakten einen Skandal zu konstruieren, sei laut Große Macke „dreist“ und den Menschen gegenüber „verantwortungslos.“