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Ein Waldpädagoge und ein Schäfer auf Überzeugungstour

Das natürlichste fehlt noch: Der Naturpark-Ranger im Weserbergland

Von Ralph Lorenz und Veronica Maguire

Mittwoch 16. Juni 2021 - Hameln (wbn). Die waldreichste Naturperle in Niedersachsen – das Weserbergland – braucht endlich einen Naturpark-Ranger. Einen, der als Kümmerer Präsenz zeigt. Für Natur und Mensch gleichermaßen.

Das ist die Überzeugung des etablierten Waldpädagogen Bernd Schindler. Denn seit 1976 gibt es ihn schon – den Naturpark Weserbergland. Doch die 1000 Quadratkilometer große Region in Niedersachsen wird vor allem als Verwaltungsaufgabe wahrgenommen. Vom Schreibtisch eines Geschäftsführers aus, der sich um Wegebau in Wald und Wiese bemüht und damit sicherlich auch stark gefordert sieht. Doch gerade die Erfahrungen der jüngsten Zeit haben gezeigt, dass dies zu kurz gesprungen ist. Schindler bietet sich deshalb als „Mittler zwischen Mensch und Natur“ an. Als den Kümmerer vor Ort mit Sachverstand, der durch die Region streift, durch Wälder und Auen und frühzeitig genauer hinsieht wenn Fehlentwicklungen erkennbar werden. Im Dialog auf Augenhöhe mit Forstleuten, aber auch Tourismusexperten und Umweltverbänden.

(Zum Bild: Präsenz zeigen, für Mensch und Natur - Waldpädagoge Bernd Schindler, der Mann mit der Ranger-Idee für's Weserbergland. Foto: S. Schindler)

 

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Vieles droht aus dem Ruder zu laufen

Einiges ist nämlich aus dem Ruder gelaufen entlang der Weser. Mountainbiker etwa, die diese prächtige Berg- und Flusslandschaft entlang der Weser nur als willkommenen Hindernisparcours betrachten, als Abenteuer-Kulisse, stets auf der Suche nach den Adrenalin-Kick. Veronica Maguire, leitende Mitarbeiterin der Weserbergland-Nachrichten.de, hat inmitten der Schonzeit einen Mountainbiker erlebt, der in Börry mitten im Wald durchs Unterholz gebrochen kam, sie dann wahrnahm, das Lenkrad hektisch herumriss und wieder den Hang hochschoss.

Und nebenher rannte der nicht angeleinte Hund im Jagdmodus. Sowas bemerkt nicht nur der Eichelhäher, der sofort Alarm schreit. Oder sie sah einen VW-Bus, dessen Hecktür geöffnet wurde. Dann sprangen vier Jagdhunde heraus und blieben unangeleint weil Herrchen wohl der Meinung war, dass für ihn und seine Meute Sonderrechte gelten – noch immer in der Brut- und Setzzeit. Und das ausgerechnet an einem Geländeeinschnitt, der wie ein Tunnel vom Waldrand in den idyllisch-bäuerlichen Ortskern von Börry führt und Terrain für allerhand scheue Tiere ist. Ein Naturkleinod erster Güte. Gerade dort sollten die Hunde nicht frei laufen – denn da gibt es einfach zu viel zu wittern was der natürlichen Deckung und des intensiven Schutzes bedarf.

Schindler: „In vielen Fällen ist’s nicht einmal böser Wille – einfach nur Unkenntnis.“ Schindler: „Was viele nicht wissen. Es reicht schon die Spur eines umherirrenden Hundes – und schon kehrt die Mutter nicht mehr zum abgelegten Jungtier zurück. Es droht damit der sichere Hungertod für das Jungwild.“ Deshalb sieht er sich als Kommunikator. Und das kann er als ausgebildeter zertifizierter Waldpädagoge besonders gut.

Mit solch einem Naturpark-Ranger  am Schweineberg durchs Feld zu streifen wird ohnehin zum unvergesslichen Erlebnis. Auch für jene, die gewohnt sind mit offenen Augen im Weserbergland unterwegs zu sein.

Sieben Arten von Orchideen hat er vor kurzem mit seinen Begleitern am Wegesrand identifizieren können. Mal eben nebenbei. Und seine launigen Bemerkungen vermitteln auch die Freude das Wissen weiterzugeben. Wo Bernd Schindler unterwegs ist, da ist auch Christian Pardey nicht weit. Der Schäfer ist schon von Berufs wegen in der Natur zuhause. Ein Allwettertyp. Kein Wunder, dass beide vehement die längst überfällige Institution des Naturpark-Rangers im Weserbergland und in Niedersachsen vorantreiben.

Die Seele des Konzepts

Der Ranger im Naturpark Weserbergland wird damit zur Seele des Konzepts. Interessant die Reaktion in den Rathäusern der Region. Der pragmatische Ansatz überzeugt nämlich. Denn in vielen Fällen gibt es schon vielversprechende Lösungsansätze, die nur der nachhaltigen Unterstützung bedürfen. Mountainbiker, die sportlich über Stock, Stein und durchs Gebüsch brettern wollen, können gerade am Ith ihrem Bedürfnis fröhnen – dort, wo der Trail für sie schon fachmännisch bereitet worden ist. Am Ith-Kopf am Rande einer ehemaligen Kiesgrube. Vor vielen Jahren hat Coppenbrügges Gemeindebürgermeister Ulrich Peschka mit hochmotivierten und ideenreichen Bikern ein entsprechendes Konzept landschaftsplanerisch umgesetzt. Es geht also auch anders. Ein Musterbeispiel, das auch dem Naturpark zu weiterer Attraktivität verhilft.

Sollen doch alle ihren Spaß haben in dem ihnen gesetzten Rahmen. Die Wanderer, die esoterisch gesinnten Baum-Umarmer, Vogelfreunde, Naturfotographen, Radwegtouristen, Familienausflügler und Großstadtflüchtige, Jogger und Outdoor-Junkies. Nicht zu vergessen die Bergsteiger an den Ith-Klippen.

Aber oft beginnt das Problem mit dem kleinen Lagerfeuer, das eben nur unter strengen Auflagen und nicht zu allen Jahreszeiten und schon gar nicht überall möglich ist. Oder das Abstellen von Wohnmobilen. Aber auch da gibt jeder Ranger eine praxisnahe Empfehlung.

Jetzt beginnt die Gesprächsrunde

Vorausgesetzt, er kann im Weserbergland bald an den Start gehen. In den kommenden Tagen gibt es die wichtigen Gespräche mit den Kommunalpolitikern und Entscheidern. Kreisjägermeister Jürgen Ziegler ist schonmal grundsätzlich dafür. Schindler, der vor kurzem mit Pardey auch eine Ortsgruppe im Rahmen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gegründet hat und damit die Vielseitigkeit seiner Denkansätze beweist, hat übrigens ein konkretes Vorbild aus der lippischen Nachbarschaft.

Aaron Gellern ist im Bielefelder Stadtwald schon seit Jahren als Ranger unterwegs und musste genau wie Schindler und Pardey an vielen Fronten Überzeugungsarbeit leisten. Sich durchs Behörden- und Interessendickicht kämpfen. Und hinter jenem Baum findet sich eine Interessengruppe. Doch jetzt wird auf nordrhein-westfälischer Landesebene bereits darüber nachgedacht Aaron Gellern einen weiteren „Ranger“ zur Seite zu stellen. Er hat sich für alle bezahlt gemacht.

Naturpark ist schön und gut – aber es muss auch in Wald und Wiese einer den Hut aufsetzen. Und Ranger erkennt der Laie am großen Hut.

 

 

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