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Das Weserbergland betet für die Opfer in Japan

130 Atomkraftgegner und Bürger finden sich heute Abend zur spontanen Mahnwache im Hamelner Münster ein

Von Veronica M a g u i re  MA

Hameln/Tokio (wbn). Als ob es nicht genug wäre. Nach der Naturkatastrophe droht der japanischen Insel die Nuklearkatastrophe. In der drohenden  Gefahr rückt die Menschheit näher zusammen. Weltweit haben sich Hilfsorganisationen auf den Weg gemacht um der japanischen Bevölkerung zu helfen. Aus Deutschland sind THW-Spezialisten in das Katastrophengebiet gestartet. Und im Weserbergland gedenken die Menschen der Erdbeben- und Tsunami-Opfer, deren Zahl noch immer nicht überschaubar ist. Vor allem aber richtet sich das Augenmerk auf die Gefahren der Kernenergie.

Die Region, die das Kernkraftwerk Grohnde unmittelbar vor der Haustür hat, ist besonders sensibilisiert für die nukleare Bedrohung, die jetzt wie ein Damoklesschwert über Japan schwebt.  Zum Gedenken an die Opfer des Erdbebens und zur Mahnung, Atomanlagen weltweit endlich abzuschalten, hat heute um 19:00 Uhr eine Mahnwache im Hamelner Münster stattgefunden.

Dringliche Mahnung, die Atomkraftwerke weltweit abzuschalten

Mehr als 130 Menschen aus Hameln und Umgebung haben sich spontant vor und in dem Hamelner Münster eingefunden.

Bernd Schlinkmann hatte per e-mail viele Mitstreiter vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland kurzfristig zusammengetrommelt und war mit dem Ergebnis der Solidaritätskundgebung zufrieden, wie er den Weserbergland-Nachrichten.de heute Abend zu erkennen gab. Gerade weil die Mitteilung innerhalb eines Tages so kurzfristig herausgegangen war. Auch der BUND, bekannte Gesichter aus der SPD, von den Grünen, der Linken und vom Frischen Wind waren in den Kirchenreihen zu sehen. Vorne saßen mit ernsten Gesichtern Landrat Rüdiger Butte, Bürgermeisterin Ursula Wehrmann (Grüne) und der Landtagsabgeordnete Uli Watermann – wie sie zum Ausstieg aus der Kernenergie stehen, haben sie in den zurückliegenden Monaten deutlich gemacht, als sie sich an den Demonstrationen der Kernkraftgegner beteiligten und in vorderster Reihe mitgelaufen sind. (Zum Bild: Hameln-Pyrmonts Landrat Rüdiger Butte zündet eine Kerze für die Mahnwache an. Foto unterhalb: AKW-Gegner am Münster-Eingang. Foto: Lorenz) 

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Pastorin Grothe fand die richtigen Worte als sie die Besorgnis der Menschen zum Ausdruck brachte angesichts längerer Laufzeiten der Kernkraftwerke. Rainer Sagawe wird nicht müde zu betonen, dass sich die Menschheit schon jetzt mit Sonnenenergie, mit Wind und Wasser ohne Kernkraft versorgen könnte.

Gerade das Kernkraftwerk Grohnde stand mit bevorstehenden, hochgiftigen MOX-Transporten in der Kritik der Kernkraftgegner im Weserbergland, die immerhin einen Etappensieg erzielt haben: E.on hat den Transport vorerst abgeblasen. Die Ereignisse nach dem Erdbeben in Japan wecken jetzt die schlimmsten Befürchtungen.

Besorgt nehmen die Menschen im Weserbergland die Schreckensnachrichten einer beginnenden Kernschmelze wahr. Aus Berlin lässt sich die Kanzlerin in Anbetracht des Schreckensszenarios einer radioaktiven Wolke, die um die Welt geht, mit ganz neuen Tönen vernehmen. Es sei „unbestritten, die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt“, sagte die Kanzlerin den Medien.

Deutschland könne jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Kernkraftgegner hören die Signale aus Berlin – aber mit Skepsis. Die Katastrophensituation in Japan geht auch einer freien Mitarbeiterin der Weserbergland-Nachrichten.de sehr nahe. Chieko Fumikura lebt in Hannover, ist Künstlerin und gelegentlich für die Redaktion aktiv.

"Meine Familie hat das Erdbeben überstanden"

Sie ist Japanerin und ihre Familienangehörigen leben in der Nähe von Tokio: „Meine Familie hat das Erdbeben überstanden, aber sie haben jetzt Angst vor den Nachbeben und trauen sich nicht wieder in ihr Haus“, lässt sie sich nach einem Telefonat vernehmen. Mehr noch macht ihr das Atomkraftwerk Sorgen, in dem es heute eine starke Explosion gegeben hatte. Die Mitteilung, dass ja der gegenwärtige Wind die Atomwolken in den Pazifik treiben werde, beruhigt sie in keiner Weise.

Der nicht auszuschließende Supergau einer Kernschmelze ist für die japanische Nation der Schock schlechthin vor dem Hintergrund des historischen Traumas von Hiroshima. Unsere Chieko kann keine Minute schlafen und hört stündlich die Nachrichten aus Japan. Und diese Nachrichten sind alles andere als beruhigend. Stündlich steigt die Zahl der Toten und der bereits kontaminierten Menschen. Es werden in den bedrohten Gebieten Jodtabletten verteilt.

Während der Mahnwache in Hameln wurden die Namen der Kernkraftwerke verlesen in denen es zu schweren Unfällen bis hin zum Tschernobyl-Supergau kam. Orte, die das Märchen von der beherrschbaren Kernkrafttechnik Lügen gestraft haben.  Mehr als 60.000 Menschen haben übrigens an diesem Samstag in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart gegen die Atompolitik der Bundesregierung demonstriert. Die Veranstaltung war von langer Hand vorbereitet gewesen. Diese Horror-Aktualität hatte niemand erahnen können.

(Foto unten: Eine Demonstrantin weist vor dem Münster die Alternative zur Kernkraft: Die Windenergie. Fotos: Lorenz)

 

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