Tour durch die Region auf Einladung der Sparkasse Weserbergland

Weil er stets 'nen Knall hat, ist er so beliebt - Jean Pütz für die Bürgerstiftung zu Gast bei den Mittendorfs in Buchhagen

Buchhagen/Bodenwerder (wbn). Er sieht schon irgendwie aus wie am Rande des Wahnsinns. Buschiger Bart, üppig-graue Locken-Strähnenmähne, faltige Haut wie die einer alten Meeresschildkröte und im Kontrast dazu pützmuntere Äuglein, denen nichts entgeht.  Jean Pütz kann locker als die Comicfigur Daniel Düsentrieb durchgehen. Oder als konfuser Professor.  So kennt ihn das Publikum aus seinen legendären WDR-Hobbytheken, so lieben ihn die Besucher seiner experimentierfreudigen Pützmunter-Show. Zum zweiten Mal ist er in diesem Jahr bei den Mittendorfs in Buchhagen aufgetreten.

Nach der Götz Alsmann-Präsentation als Münchhausen-Preisträger, wo er einige Knalleffekte zur Abendunterhaltung beitrug, ist er jetzt mit einem eigenen Programm wiedergekehrt: Die Sparkasse Weserbergland und die örtlichen Bürgerstiftungsfonds hatten ihn für den zweiten Advent ins Weserbergland eingeladen.

Zuerst nach Buchhagen, dann nach Hessisch Oldendorf und zum Abschluß nach Salzhemmendorf. Wo immer er hinkam, traf er auf ein wissbegieriges Publikum, was für die heutigen Fernsehmoderatoren nicht unbedingt selbstverständlich ist. Doch Jean Pütz hatte schon immer was zu sagen – und das meist mit dem entsprechenden Knalleffekt. Knallen muss es immer - Pütz ist eben einer, der wenigstens zugibt, dass er 'nen Knall hat. Auch heute hat es wieder geblitzt, geknallt, gequalmt und gezischt. So anschaulich kann Physik- und Chemieunterricht sein. Pütz erklärt das Phänomen des Unterdrucks anhand des Bernoulli-Effekts, lässt Metronome den Takt wechseln und verbiegt Löffel in Uri Geller-Manier. Das Weserbergland-Publikum liebt ihn dafür, auch weil alles mit einem lustigen Augenzwinkern geschieht.

(Zum Bild: Jean Pütz in Aktion. Eine lange Stange verschwindet im Kästchen - es ist Styropor, das sich auflöst. Darunter: Noch bevor er ein Wort gesagt hat, spendet Jean Pütz erst einmal für die Bürgerstiftung. Aus Überzeugung, die er mit Gemeindebürgermeister Lienig teilt. Die Bürgerstiftung ist auch im Raum Bodenwerder gemeinnützig aktiv. Rechts mit Sparschwein: Bernhard Kruppki von der Bürgerstiftung Weserbergland. Foto: Weserbergland-Nachrichten.de) 

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Man merkt, der gelernte Elektromechaniker, der die Chance des zweiten Bildungsweges ergriffen hatte, hat mal im Fach Physik  „auf Lehramt studiert“.  Und irgendwie war er auch immer seiner Zeit voraus. Mit der Einschätzung der Wende in der Energiepolitik zum Beispiel. Und grün gedacht hatte er schon lange bevor die Grünen selbstverliebt über die Blumenwiesen der Bundespolitik hüpften. Manche mögen das schon wieder für Angeberei und Besserwisserei halten. Doch dummerweise kann Pütz anhand seiner archivierten Sendungen nachweisen, dass er tatsächlich seiner Zeit voraus war. Als er sich zu den Weserbergland-Nachrichten.de an den Tisch setzte um an einem Glas Mineralwasser zu nippen, während andere ihr Gläschen Sekt tranken, das er als guter Gastgeber ausgegeben hatte, plauderte der alte Meister aus dem Nähkästchen.

Auf die Frage, welches Experiment mal wirklich so richtig in die Hose gegangen sei, da fiel ihm die Sache mit dem „Inka-Gold“ ein. Die Inkas hätten nämlich die goldgierigen Spanier mit Gold beschummelt, das  gar keines war. Deshalb sollte es in seiner Sendung eine Rolle spielen. Auch da hatte Pütz wieder einen Knalleffekt eingebaut – nur eben falsch berechnet. „Da ist mir der Tiegel um die Ohren geflogen“, bekannte Pütz bekümmert. Und das war natürlich nicht die einzige Panne. „Doch die haben wir aus den Sendungen herausgeschnitten.“  Allerdings, eine Sache funktioniert aus seiner Sicht immer: Das Sparkassen-System der Bürgerstiftung. Deshalb hat er gleich zu Beginn der „Pützmunter-Show“  sein Scherflein in das überdimensionale Stiftungs-Sparschwein geworfen.

Er bleibt ein Optimist und glaubt daran, dass Gutes belohnt wird. Der 74-jährige gebürtige Luxemburger ist auch nochmal Vater geworden. „Ich habe mich nicht verweigert“, schmunzelt er über sein gelungenstes Experiment der jüngsten Zeit, das jetzt in den Windeln liegt und Julie-Josephine heißt. Er lässt den Namen melodisch über die Zunge gehen und lauscht dem Klang – mit ihr will er, wenn sie 18 wird, aufs Tanzparkett. Mal gucken, wie er dann mit den Gesetzen der Schwerkraft und den Zentrifugalkräften in diesem Vater-Tochter-Experiment klar kommt. Was er sagt, das hat er bisher auch immer gemacht, der schräge Wissenschaftsjournalist mit dem großen Knall und dem großen Herz.

(Zum Bild: Gemeindebürgermeister Lienig opfert sich für ein Unterdruck-Experiment. Bild ganz unten: So sieht ein "Negerkuss" unter Weltraumbedingungen aus - Pütz beantwortet gern auch die letzten Fragen der Menschheit. Foto: Weserbergland-Nachrichten.de)