Das Ende von etwas...

Zwei Insolvenzanträge, zwei Gläubigerversammlungen - und in der einstigen Nobelkantine am Klütturm sind endgültig die Lichter aus

Hameln (wbn). Endgültig Feierabend am Klütturm in Hameln: Bereits am Freitag,  1. Oktober, um 8 Uhr ist das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Klütturm Restaurant Hotelbetriebs- und Handels-GmbH, vertreten durch Horst Knuhr, Geschäftsführer, eröffnet worden.  Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Alexander Kaesebier. Eine Gläubigerversammlung wird am 8. Dezember im Amtsgericht Hameln abgehalten werden.

Dort werden die angemeldeten Forderungen geprüft. Den Weserbergland-Nachrichten.de lag ein entsprechender Hinweis bereits vor Tagen vor. Es war nochmals ein heftiges Aufbäumen der Belegschaft zu verspüren, die aber für die Vorgeschichte des Restaurant-Protzprojektes über der Weser, die viel von orientalisch anmutender Großspurigkeit kündet, nun wirklich nichts dafür konnte. Die Titanic-Köche und Kellner haben, das Wasser bis zum Halse,  tapfer geköchelt und serviert, während andere, die sich einst groß mit Feuerwerken feiern ließen, längst das auf Grund gelaufene Schiff - in alter Schiffsratten-Manier - verlassen hatten und selbst auch wieder etwas Bodenhaftung verspüren mussten. Geschäftsführer Knuhr (ehemaliger Cemag-Manager und Fard-Vertrauter) hatte gehofft als Branchenfremder in auswegloser Situation ein gastronomisches Wunder vollbringen zu können.

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 Zuletzt sah man ihn nach schwerem Krankheitsausfall, mit einiger Wahrscheinlichkeit und absturzmässig auch durch die Cemag-Pleite bedingt, einigermaßen genesen und herbstlich abgeklärt durch die Fußgängerzone von Hameln laufen. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Die Fard-Brüder indessen hätten zumindest für einen langen Abend noch einmal richtig gesellschaftlichen Glanz in die Klütturm-Hütte bringen können. Und die alte Fata Morgana aus der Persischen Märchenwelt, in der die Halluzination sagenhafter Wirtschaftserfolge schon vor Jahrhunderten vorweggenommen war.

Doch die familiäre Gesellschaftsveranstaltung, zu der selbst die Verwandschaft aus London eingeflogen wurde, fand dann in einer idyllischen, sehr verschwiegenen Lokalität im Ostkreis statt. Das ist so gar nicht der Fard-Stil. Wollte man vorsorglich einer Meuterei am Klütturm aus dem Weg gehen. Mehrere Unternehmer, die wirklich was von dem gastronomischen Geschäft verstehen, hatten bei dem Ansinnen das Hotelrestaurant zu übernehmen, dankend abgewunken. Es waren die aberwitzigen Fixkosten, die abschreckten, in Verbindung mit einem Umfeld, das nun nicht eben Wiesbaden, Baden-Baden, Hamburg, Berlin oder Bonn ist. Auch als Vorzeige-Edelkantine in einem noch intakten spesenfreudigen Cemag-Imperium hätte sich der Kasten nie wirklich gerechnet. Als Jugendherberge wiederum ist er zu nobel. Experten nennen so etwas eine Fehlplanung.

Das Nachsehen haben weiterhin all die Handwerker, die sich einst auf die guten Namen der Beteiligten verlassen hatten. Irgendwie klingt das auch nach dem Weserrenaissance-Wahn, der einst in BSE-Manier  (BSE = Bovine spongiforme Enzephalopathie) gehirnerweichend die Leithammel der Region befallen und ebenfalls viele Handwerker in die Irre geführt hatte. Und noch ein anderer Insolvenzfall in Hameln ist kundig geworden: Über das Vermögen des Dipl.-Ing. Akbar Memari Fard ist am 30.9.2010 um 11:00 Uhr das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Insolvenzverwalter ist: Rechtsanwalt Friedemann Schade, Hannover.

Die Gläubigerversammlung hierzu findet am 3. Dezember, also fünf Tage vor der Klütturm Restaurant Gläubigerversammlung, ebenfalls im Amtsgericht Hameln statt. Die Versammlungen (und Partys) des zuweilen sehr spendierfreudigen Fard-Clans in der Rattenfängerstadt waren auch schon mal lustiger. Das jetzige Hohngelächter der verbitterten Fard-Kritiker zählt nicht.