Die heimische Abgeordnete zum Friedensnobelpreis und zu ihrer Menschenrechts-China-Reise:

Lösekrug-Möller: Eine neue Chinesische Mauer, diesmal gegen das Internet, lässt sich nicht errichten

Hameln/Oslo/Berlin (wbn). „Ihr Verurteilten mit gutem Herzen: Die ganze Welt ist bei Euch.“ So einfach, so unpathetisch und zugleich herzergreifend kann eine Botschaft im Internet Mut machen. Sie wurde kurz nach der Bekanntgabe der Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo in das chinesische Netz getwittert.

Wie der FAZ-Korrespondent in Peking berichtet, schien die chinesische Regierung von der Entscheidung in Oslo überrascht worden zu sein, obwohl sie gewusst haben musste, dass Liu Xiaobo zu den heißesten Favoriten für den Friedensnobelpreis gezählt hat. Die Nobelpreisvergabe konnte noch Live im chinesischen Internet verfolgt werden. Dann war Schluss mit lustig. Alles was auf den offiziell als „Kriminellen“diffamierten Dissidenten hätte hinweisen können, wurde innerhalb einer Stunde in den großen chinesischen Suchmaschinen gesperrt. Erneut versucht sich China auf dem Gebiet der Kommunikation von dem „Rest der Welt“ aus innenpolitischen Gründen abzuschotten.

Weserbergland-Nachrichten.de sprachen mit der SPD-Abgeordneten

Die Weserbergland-Nachrichten.de sprachen gestern aus aktuellem Anlass mit der heimischen Bundestagsabgeordneten Lösekrug-Möller (SPD) in Berlin. LöMö: „Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo ist ein großartiges politisches Signal aus Oslo“. Die in Menschenrechtsfragen engagierte Bundestagsabgeordnete aus dem Weserbergland, zugleich im Bundestags-Petitionsausschuss aktiv, gehörte zu einer handverlesenen Gruppe von Bundestagsabgeordneten, die schon im vergangenen Jahr im April die Volksrepublik China bereist hat.

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Dass Bundestagsabgeordnete ganz offiziell in Sachen Menschenrechte in China unterwegs sein konnten, war für sich genommen schon eine diplomatische Sensation. Den Abgeordneten gelang es, wie auch immer, auch mit jungen Chinesen zu sprechen, die nicht unbedingt zu den offiziellen Vorzeige-Gesprächspartnern der chinesischen Gastgeber gehörten. Daraus gewann Gabriele Lösekrug-Möller den Eindruck, dass die junge Generation in China viel regimekritischer ist als weithin angenommen wird und insbesondere auch ihre eigenen Vorstellungen von Menschenrechte und Menschenwürde entwickelt. Insofern sei Liu Xiaobo auch innerhalb der Volksrepublik nicht allein. Große Hoffnung setzt die chinesische Jugend, setzt auch Lösekrug-Möller auf das Internet. Die gestern bekannt gewordene sofortige offizielle Internet-Blockade der chinesischen Führung kann sie nur mit Kopfschütteln quittieren.

Lösekrug-Möller sagte zu den Weserbergland-Nachrichten.de: „Das Regime kann die jungen Leute vom Internet nicht mehr abhängen. Eine neue chinesische Mauer, diesmal gegen das weltweite Internet, lässt sich nicht errichten.“ Auch deshalb ist die ganze Welt bei den „Verurteilten mit gutem Herzen“.

Die Redaktion der Weserbergland-Nachrichten.de meint hierzu: Das Wesebergland ist auf einen Klick und auf einen Herzschlag an diese Menschen herangerückt, die willkürlich und ohne Urteil in sogenannte Umerziehungslager gesteckt werden, wie  der unerschrockene Bürgerrechtler und Literat, der jetzige Träger des Friedensnobelpreises Liu Xiaobo.

Der Intellektuelle ist zur Zwangsarbeit verpflichtet worden. Und diese ist den Deutschen näher als ihnen möglicherweise lieb ist. Die Fußgängerzonen in Deutschland werden massenhaft mit Granit-Pflastersteinen aus China zugepflastert. Weil sie so schön sind und so billig. Und für die Steinbrüche in China ist das ein großes Geschäft. Auch in Hameln werden Kopf-Steine aus China des Preises wegen in den Boden geklopft.

Der Begriff Kopf-Stein bekommt da eine völlig neue Bedeutung. Die Herkunft der Steine aus Betrieben, die keine Zwangsarbeiter und auch keine Kinder beschäftigen, sei durch entsprechende Dokumente belegt, heißt es von Seiten der Stadt Hameln. Hameln ist damit nicht allein. Andere Rathäuser halten das ebenso. Die Papiere werden allerdings  von den Chinesen ausgestellt. Die sagen auch ganz offiziell, dass Liu Xiaobo kriminell sei und behaupten die Wahrheit zu sagen. Mit amtlichem Siegel von höchster Stelle. Von Stellen, die Zweifler an ihrem Wahrheitsanspruch wegsperren lassen.

So kann die Wahrheit auch mit Lügen gepflastert sein.