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Der Kommentar

Was hat die Titanic mit dem Weserbergland zu tun?

Von Ralph Lorenz

Was hat die Titanic auf dem Boden des Atlantiks mit dem Weserbergland zu tun? Eine ganze Menge. Das am 15. April auf den Tag genau im Nordatlantic untergangene Superschiff galt  als Ausdruck zeitgenössischer Ingenieurskunst und als unsinkbar.

Technisch auf dem Höhepunkt der Zeit, lag es kurz darauf auf dem Tiefpunkt des Atlantiks. Im Weserbergland steht ein Atomkraftwerk als Ausdruck deutscher Hochtechnologie, das sich zu den sichersten der Welt zählt – ebenfalls angeblich absolut unkaputtbar.  Man hätte meinen dürfen, dass diese Schiffskatastrophe vor 100 Jahren dem Hochmut und Irrglauben an die Unfehlbarkeit moderner Technologien ein kurzes, jähes Ende mit Schrecken bereitet hätte – noch auf der Jungfernfahrt.  Aber dem ist nicht so. Der fast religiöse Glaube an die Technik ist bei den meisten Zeitgenossen ungebrochen. Nun könnte man einwenden, dass es auf der Weser keine Eisberge gibt. Und in Anlehnung an das Fukushima-Ereignis, auch keine Tsunami-Gefahr. Aber gerade darum geht es ja – um den Ausschluss des Undenkbaren, mit dem der Irrglaube an  unsere Sicherheitsstandards gerechtfertigt wird. Am unmöglichsten ist das Wort unmöglich.



Fortsetzung von Seite 1

Die Geschichte technischer Katastrophen geht stets mit der angeblichen Unvorhersehbarkeit von außergewöhnlichen Ereignissen einher.   Als wäre nicht abzusehen, dass die angeblich unsinkbar gebaute Titanic nicht unter widrigsten Umständen einem Unterwasser-Titan begegnen könnte, der ein paar Hausnummern größer ist als die Annahmen der Titanic-Konstrukteure vom größtmöglichen Schadensereignis. Als wäre nicht absehbar, dass die Sicherheitsschotten, nach oben offen, beim Abtauchen des Schiffbugs überlaufen würden in die nächsten Zellen.

Die endlose Aufeinanderfolge des Unvorhersehbaren:

Statisch so nicht vorhersehbar und geradezu unvorstellbar war auch der Einsturz der Twin-Towers in New York nach dem terroristischen Anschlag der Islamisten vom 11. September. Als in dem unvorstellbaren Höllenfeuer die Stahlträger schmolzen.

Der Feuerflug der Überschall-Concorde,
die beim Start auf der Rollbahn nur einen Fetzen Metall berührt hatte, war für die stolzen französischen Flugingenieure ebenfalls nicht vorstellbar gewesen.

Auch der Absturz des Zeppelins markiert mit seinem Zufallsereignis buchstäblich den Größenwahn mit der größten Zigarre der Welt.

Schon die Bibel berichtet von dem Turmbau zu Babel und hat nicht ganz zufällig vor menschlichem Größenwahn gewarnt.

Und wie oft mussten wir Annahmen korrigieren, die gewisse Unwetterkatastrophen für unsere Breitengrade völlig ausgeschlossen hatten? Das beginnt schon mit Tornado-Erscheinungen in Deutschland, die Meteorologen bisher in dieser Wucht nicht für möglich hielten und die jetzt mit Klimaveränderungen begründet werden. Sie kommen in keinem Pflichtenheft für ein AKW vor.

Auch ein Tsunami war an der Nordseeküste nicht vorstellbar.  Jetzt haben Geologen nachgewiesen, dass es solch ein „unvorstellbares“ Phänomen vor knapp 150 Jahren gab.

Das Containment – also der typische Betonmantel eines Kernkraftwerkes – ist gewiss nicht so ausgelegt, dass es dem Absturz eines Superjumbo mit 560 Tonnen Startgewicht (und 830 Passagieren an Bord) gewachsen wäre. Die damaligen Grohnde-Ingenieure hätten bei solchen technischen Vorgaben jedoch ein leicht irres Lächeln und den Piepmatz gezeigt.

Mit Festbeleuchtung in die ewige Dunkelheit...

Als der Stolz britischer Schiffsbaukunst mit Palastbeleuchtung und Bordkapelle in dem nachtschwarzen Eismeer verschwand und seine Passagiere im Smoking in den Tod riss, waren es die nicht mit größtmöglicher Gewissenhaftigkeit angefertigten Nieten gewesen, die der Belastung nicht standgehalten hatten und den Schiffsleib platzen ließen. Damals wie heute haben Controller das Sagen. Aus Kostengründen. Und gerade auch dort, wo sie sich mal raushalten sollten. An dem teuren Vorzeigeschiff wurde ausgerechnet an entscheidenden Stellen am Material gespart. Man hat’s ja nicht gesehen. Stattdessen wurde in einen vierten Schornstein investiert, der technisch nicht erforderlich war aber nach mehr aussah. Blendwerk eben für die Image-Werbung.

Für einen vierten Schornstein hat's gereicht, nicht aber für weitere Rettungsboote

An Rettungsbooten wurde gespart, weil sie die Optik gestört hätten. Stattdessen verordneten die Leute mit dem Rechenschieber mehr Rettungswesten, weil man die verstecken konnte. Doch niemand hatte daran gedacht, dass in dem Eiswasser auf der Atlantikroute die Überlebenschance mit so einer damals neuartigen Kork-Weste gleich Null gewesen war. Einerseits die Welt aus den Angeln heben wollen, andererseits kleinkariert am Material sparen.  Der Geist dieser unheiligen Allianz von Controllern und Marketingleuten unter Übergehung der Sicherheitstechniker ist damals nicht mit in den Fluten versunken. Er hatte kurz danach wieder Oberwasser.

Atomkraftkritiker aus dem Weserbergland haben auch immer wieder darauf hingewiesen, dass in Grohnde – aus welchem Grund auch immer – minderwertiges Material verbaut worden ist. Etwa, was den Stahl betrifft. Ihre Mahnung ist ungehört verhallt. Auch die Überheblichkeit im Umgang mit Kritik hat nichts von ihrer destruktiven Kraft verloren. Japanische Behörden und Energiekonzerne waren darin Meister. Im Land des Lächelns haben die Befürworter der Atomkraft nach Fukushima jedoch ausgelächelt.

Die Katastrophenschutz-Pläne in Deutschland sind noch auf dem alten Stand von vor Fukushima. Das betrifft vor allem die Radien der angenommenen atomaren Strahlen-Verseuchung. Kein Geringerer als der Landrat dieses Landkreises Hameln-Pyrmont hat auf diese Notwendigkeiten sachlich, aber unüberhörbar hingewiesen.

Wir wollen im Katastrophenschutz ein Sicherheits-Update für Grohnde

Fukushima ist die Atomkraft-Titanic der Japaner, Musterbeispiel der Überheblichkeit einer Hochtechnologie-Nation, die  bis dahin international bewundert worden war.

Wir wollen keine Titanic und kein Fukushima im Weserbergland. Wir wollen frühestmögliche Abschaltung des Kernkraftwerkes Grohnde - und Grohnde auch nicht als klammheimliche Endlagerstätte auf kaltem Wege. Wir wollen, dass die AKW-Notfallpläne angepasst werden an den heutigen Kenntnisstand. Dieses Sicherheits-Update muss die Region einfordern. Gutgläubig war gestern.  Auch wenn die derzeit durchgeführte Revision in Grohnde erneut zur vollsten Zufriedenheit der Kraftwerkbetreiber und des Umweltministeriums in Hannover abgeschlossen werden sollte – Misstrauen ist die Grundlage des Überlebensinstinktes. Gefährdet sind wir hier vor Ort. Nicht die Éntscheider in Berlin und in den ereignisfernen Konzernzentralen außerhalb der Gefahrenzone.

Der Eisberg-Ausguck auf dem Luxusdampfer konnte sich nicht ein Fernrohr leisten

Die Titanic ist auch untergegangen, weil auf dem Luxusdampfer  wegen der angeblichen Unsinkbarkeit alle gesunden Instinkte versagt haben. Als Nachbarschiffe vor Eisbergen warnten, wurden die frühzeitig gemorsten Hinweise zur Seite gelegt, weil erst mal sektgeschwängerte Grußbotschaften der Luxusgäste aus der ersten Klasse abgesetzt werden mussten. Damit wurde schließlich zusätzliches Geld gemacht. Und der Eisberg-Ausguck in eisiger Höhe hatte kein Fernglas bekommen, weil das Teil ein Offizier in seiner Kajüte eingeschlossen hatte damit es niemand klauen konnte. So lag es denn Stunden später diebstahlsicher auf dem Grund des Atlantiks. Die Typen mit dem Mittelscheitel und der beinharten Ordnung sind die größten Chaoten. Damals wie heute.

Ach, hätte die Deister- und Weserzeitung wenigstens damals rechtgehabt, als sie in dem seinerzeitigen Nachrichtennebel mit der grottenfalschen Erstmeldung völlig daneben lag, dass alle Titanic-Passagiere gerettet seien. Der brave Provinzredakteur in Hameln mochte Anno 1912 wohl nicht glauben wollen, dass ein Absaufen der angeblich unsinkbaren Titanic mit einer wirklichen, einer menschlichen Katastrophe verbunden ist.

Die Heimatzeitung an der Weser hatte betulich eine Jahrhundert-Schlagzeile verpennt - und die unbelehrbare Gemeinde der Technologiegläubigen eine Lektion. Bis heute.

 

 

 



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