Ein Projekt ist gescheitert

Niedersächsischer Landtag "wickelt" jetzt die Pflegekammer ab

Mittwoch 28. April 2021 - Hannover (wbn). Der Niedersächsische Landtag hat am heutigen Mittwoch die „Abwicklung“ der umstrittenen Pflegekammer beschlossen.

Die Attraktivität des Berufs müsse gesteigert werden durch angemessene Bezahlung, Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und mehr Augenhöhe mit anderen Beteiligten im Gesundheitssystem, mahnt dazu die FDP als Opposition im Landtag an.

 

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Die gesundheits- und sozialpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Susanne Schütz:

"Die FDP-Fraktion hat sich schon zu Beginn dieses gescheiterten Projekts gegen die Einrichtung der Pflegekammer ausgesprochen, denn die Kammer sollte zwar als Sprachrohr der Pflegekräfte für bessere Arbeitsbedingungen auftreten, hatte aber unzählige Konstruktionsfehler. Wir lehnten von Anfang an den Ansatz ab, die Pflegekräfte zwangsweise zu verkammern und gleichzeitig eine große Anzahl der Pflegehilfskräfte von der Vertretung auszuschließen. Vor allem aber war die Pflegekammer komplett überflüssig: Viele Aufgaben, wie die Fortbildung der Pflegekräfte, waren bereits anderweitig deutlich besser organisiert und bei Tarifverhandlungen stand sie vor der Tür.

Wir brauchen weiterhin dringend Lösungen, um die Pflege zu stärken. Die Attraktivität des Berufs muss gesteigert werden durch angemessene Bezahlung, Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und mehr Augenhöhe mit anderen Beteiligten im Gesundheitssystem. Die generalisierte Ausbildung darf nicht zu einem weiteren Rückgang der Ausbildungsplätze führen und muss durch flexiblere Möglichkeiten von Nach- und Zusatzqualifikationen die Perspektive für beruflichen Aufstieg bieten.

Pflegeberufe sind nicht nur gesellschaftlich wichtig und für die Krankenversorgung notwendig. Sie können vor allem für die und den Einzelnen erfüllend sein. Die Mischung aus Arbeit mit Menschen und praktischer Hilfe kann faszinierend und abwechslungsreich sein. Der abendliche Applaus vor einem Jahr war immerhin eine Respektbekundung vieler Menschen angesichts des Kampfes, den die Pflegekräfte an der vordersten Front gegen das Coronavirus führten. Nun muss mehr kommen als Applaus."