Am ersten Prozesstag schweigt sich der brutale Drogen-Junkie aus, der Julian getötet hat

Hildesheim/Delligsen (wbn). Was geht in dem 27-jährigen arbeitslosen Maurer vor, der den kleinen fünfjährigen Julian in Delligsen so bestialisch zu Tode geprügelt hat? Zeigt er Zeichen der Reue? Begreift der Drogen-Junkie die Brutalität seiner Tat? Die Prozessbeobachter des ersten Verhandlungstages vor dem Hildesheimer Landgericht konnten am Vormittag darauf keine Antwort erfahren.

Der „Ziehvater“ und Lebensgefährte der Mutter, die am Nachmittag als Nebenklägerin gehört werden soll,  schweigt. Was von ihm zu vernehmen ist, geht lediglich aus den Protokollen der Kripo hervor. „Er hat mich so sehr zur Weißglut gebracht. Ich bin einfach ausgetickt.“ Dieser Satz vor dem Haftrichter steht im Raum, wurde am heutigen Tag vor der Strafkammer 1 des Hildesheimer Landgerichtes vorgelesen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen, der das Verbrechen damals aufgrund der intensiven Vernehmung noch am selben Tag seiner Festnahme eingestanden hatte, nicht nur besondere Grausamkeit bei der Tatausübung sondern auch ausgesprochen niedrige Beweggründe vor.

Fortsetzung von Seite 1

Der fünfjährige Julian war mit einem Gürtel über Stunden hinweg zu Tode geprügelt worden, während die Mutter mit dem jüngsten Kind im Krankenhaus war. Wegen einer schweren Genitalverletzung des Kindes, die ebenfalls zu Lasten des sadistischen „Lebensgefährten“ geht. Dieser ist dem Kreisjugendamt Holzminden angeblich bisher nicht aufgefallen. Obwohl er gegen die Kinder und im Jahr zuvor gegen seine Frau bereits mehrfach brutal vorgegangen sein soll. Mit blauer Baseball-Mütze, grauer Jeansjacke und blauer Jeans steht er nun an diesem ersten Verhandlungstag vor Gericht undschweigt sich aus. Erkennbar ist jedoch die Strategie seiner Verteidigung, die schon bei der Vernehmung kurz nach dem Verbrechen in Delligsen durchklang. Der Konsum von „Speed“ soll mit schuld gewesen sein. Die Droge soll er schon über Jahre hinweg genommen haben. Und „Speed“ hatte auch in dieser verhängnisvollen Nacht eine Rolle gespielt. War es also die Droge gewesen – und nicht der Täter? Die Staatsanwaltschaft in Hildesheim dürfte den Angeklagten nicht so leicht entkommen lassen…