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Pendler schon jetzt genervt
Viereinhalb Tage Ausstand – GDL ruft Eisenbahner zum Rekord-Streik auf

Von Frank Weber

Mittwoch 5. November 2014 - Frankfurt/Main (wbn). Er tut es schon wieder! Claus Weselsky, Vorsitzender der ‚Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer‘ (GDL) ruft in den festgefahrenen Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn seine Mitglieder erneut zu bundesweiten Arbeitsniederlegungen auf – und provoziert damit eine massive Entrüstung von Reisenden, Pendlern, Politik und Wirtschaft.

Ab heute, 15 Uhr sollen die von GDL-Lokführern gefahrenen Güterzüge der Deutschen Bahn (DB) stillstehen – ab 2 Uhr in der Nacht zum Donnerstag außerdem die DB-Personenzüge. Bis Montag früh, 4 Uhr. Ein Rekord. Mit 109 Stunden im Güter- und 98 Stunden im Personenverkehr werden dies die am längsten andauernden Streikmaßnahmen seit Gründung der Deutschen Bahn AG vor 20 Jahren.

(Zum Bild: Türen zu, Schildchen ins Fenster und die Ohren auf Durchzug. In der GDL organisierte Lokführer der Deutschen Bahn wollen in den kommenden viereinhalb Tagen streiken – auch auf Kosten von Berufspendlern. Archivfoto: Weber)

 

 

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Die gute Nachricht: Weil sich die Verhandlungen ausschließlich auf die Situation beim Arbeitgeber Deutsche Bahn konzentrieren, sind Privatbahnen wie die NordWestBahn (NWB) nicht unmittelbar von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Obwohl einige Lokführer dieser Bahngesellschaft ebenfalls in der GDL organisiert sind, sitzen sie in den kommenden Tagen wie gewohnt im Führerstand und arbeiten.

NWB-Pressesprecher Maik Seete betont auf Nachfrage der Weserbergland-Nachrichten.de, dass Fahrgäste der NordWestBahn nur im ungünstigsten Fall mit indirekt ausgelösten Verzögerungen rechnen müssten. „Etwa durch erhöhtes Fahrgastaufkommen von Umsteigern oder Züge, die die Gleise blockieren“. Jedoch: Die Wahrscheinlichkeit ist offenbar gering – die jüngsten Arbeitsniederlegungen Mitte Oktober hätten keinerlei Auswirkungen gehabt, erklärt Seete. Er gehe deshalb davon aus, dass es auch diesmal höchstens Verspätungen im geringen Minutenbereich geben werde.

Streik betrifft direkt nur Züge der Deutschen Bahn

Anders bei der Deutschen Bahn. Im längsten Streik der Geschichte werden in den kommenden viereinhalb Tagen eine Menge Bahnen stillstehen – deutschlandweit. Züge, die im Weserbergland dafür in Frage kommen, sind unter anderem die roten Triebzüge der S-Bahn Hannover. Dort werden, wie schon vor drei Wochen, voraussichtlich alle Linien im Netz betroffen sein. Dazu kommen die RegionalExpress- und Fernverkehrsrelationen.

Im Raum Hameln müssen sich Fahrgäste der S-Bahn-Linie S5 auf massive Verspätungen oder Zugausfälle einstellen. Wenn die Streikauswirkungen im Großraum Hannover deutlich werden, will die Deutsche Bahn kurzfristig mit einem Sonderfahrplan auf die Situation reagieren und einen möglichst großen Teil der Fahrten aufrechterhalten. Zum Beispiel mit Hilfe von nicht in der GDL organisierten oder verbeamteten Lokführern – die dürfen nicht streiken. Aber auch Streikbrecher aus Reihen der GDL soll es bei vergangenen Arbeitsniederlegungen schon gegeben haben.

Machtkampf auf dem Rücken der Fahrgäste?

Für den ganzen Ärger verantwortlich: Claus Weselsky. Geboren 1959 in Dresden, ehemaliger Lokführer, seit 24 Jahren Mitglied der GDL. Medien betiteln den offenbar auch zunehmend in eigenen Kreisen umstrittenen Gewerkschafts-Boss mittlerweile als „Chaos-Claus“ (Huffington Post) oder den „Bahnsinnigen“ (BILD). Offiziell fordert er für seine Mitglieder fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Experten gehen jedoch davon aus, dass es dem GDL-Chef viel mehr um einen Machtkampf mit der größeren ‚Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft‘ (EVG) geht.

Hintergrund: Weselsky drängt mit seiner ‚Gewerkschaft Deutscher Lokführer’ (34.000 Mitglieder, davon etwa 19.000 bei der DB beschäftigt) auch auf Tarifabschlüsse für solche Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die nicht in der Lokomotive oder im Triebwagen ihren Dienst versehen – nämlich Zugbegleitpersonal und Rangierarbeiter. Die Crux: Mitarbeiter dieser Berufsgruppen werden von der insgesamt 209.000 Mitglieder starken EVG vertreten. Die Entscheider der Deutschen Bahn sehen das offenbar als Grund, nicht mit Weselskys Gewerkschaft über Tarifverträge für Zugbegleiter und Rangierer zu verhandeln.

Pendler und Wirtschaft besonders betroffen

Die festgefahrenen Positionen am Verhandlungstisch schaden mit dem bevorstehenden Streik unterdessen einmal mehr Pendlern und der Wirtschaft. Während sich die Fernbus-Unternehmen im Hinblick auf die zu erwartenden Fahrgastzuwächse am Reise-Wochenende die Hände reiben, werden bereits in wenigen Stunden im Güterverkehr eine Menge Räder stillstehen – und damit im schlimmsten Fall auch Fließbänder in der Industrie. Achim Dierkes, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bezeichnete bereits gestern die zu erwartende Situation als „Gift für den Standort Deutschland“.

Vom Mega-Streik betroffene Fahrgäste der Deutschen Bahn können sich im Internet (www.bahn.de/blitz/view/) oder über die kostenfreie Rufnummer 08000 99 66 33 über Fahrplanänderungen, Anschlussmöglichkteien und aktuelle Auswirkungen des Streiks informieren.

(Zum Bild unten: Vom Streikgeschehen werden diesmal auch Güterzüge erheblich betroffen sein. Nach wenigen Tagen könnte sich das zu ernsten Problemen für Industrie und Wirtschaft entwickeln. Archivfoto: Weber)

 

 



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