Kurpark Bad Nenndorf: Freier Zugang könnte vier Millionen kosten

Bad Nenndorf steht nach der Landesgartenschau 2026 vor einer folgenreichen Weichenstellung. Der historische Kurpark ist während der Schau nur mit Ticket zugänglich. Wie es danach weitergeht, ist politisch umstritten. Eine vollständige Öffnung für alle könnte die Stadt bis zu vier Millionen Euro kosten.
Vier Millionen Euro im Raum
Konkret geht es um Umsatzsteuer-Rückforderungen. Wer öffentliche Anlagen kostenlos zugänglich macht, verliert unter Umständen das Recht auf Vorsteuerabzug. Genau das droht Bad Nenndorf bei einer dauerhaften und vollständig kostenfreien Öffnung des Kurparks. Der Betrag könnte bis zu vier Millionen Euro erreichen.
Das macht die Entscheidung politisch heikel. Die Stadt hatte für die Landesgartenschau erhebliche Mittel investiert. Zwölf Millionen Euro musste Bad Nenndorf aus eigener Kasse beisteuern. Kritiker hatten von Beginn an vor weiteren Kostensteigerungen gewarnt.
Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen
Im Stadtrat gibt es kein einheitliches Bild. Die Fraktionen und Gruppen diskutieren verschiedene Szenarien für die Zeit nach der Landesgartenschau. Szenario eins sieht eine vollständige und dauerhaft kostenfreie Öffnung vor. Dieses Modell wäre für die Bevölkerung am attraktivsten, birgt aber das größte finanzielle Risiko für die Stadtkasse.
Andere Optionen dürften eine teilweise Zugangsbeschränkung oder ein reduziertes Eintrittssystem vorsehen, um die steuerrechtlichen Folgen zu begrenzen. Welche Variante sich durchsetzt, ist noch offen. Die Beratungen laufen.
Bleibende Bauwerke aus der Landesgartenschau
Unabhängig von der Zugangsfrage hinterlässt die Landesgartenschau zwei dauerhafte Bauwerke im Stadtgebiet. Der Waldtempel auf dem Galenberg und eine neue Geh- und Radwegbrücke bleiben erhalten. Beide sind nach der Schau frei zugänglich.
Der Waldtempel stammt von einem emsländischen Unternehmen. Seine Förderung beläuft sich auf rund 2,6 Millionen Euro. Auch die Brücke erforderte laut Planungsunterlagen einen erheblichen Aufwand. Die Bauzeit war angesichts der Größe und der komplexen Geometrie des Bauwerks knapp bemessen.
Kurpark als zentrales Element der Stadt
Der Kurpark gilt als das Zentrum Bad Nenndorfs. Das Museum der Stadt widmet ihm bereits seinen Kalender für das Jahr 2027, der historische Schätze des Parks zeigt. Auch für Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau wurde er produziert.
Der Park soll nach den Plänen der Veranstalter dauerhaft als Ort für Natur, Kultur und Gemeinschaft dienen. Wie offen dieser Ort künftig wirklich ist, entscheidet sich in den kommenden Wochen im Stadtrat.
Teurer Spielraum
Bad Nenndorf hat mit der Landesgartenschau viel in seinen Kurpark investiert. Freier Zugang klingt politisch verlockend, ist aber an erhebliche finanzielle Risiken geknüpft. Die Fraktionen müssen abwägen, welchen Preis sie für Offenheit zahlen wollen. Die Verhandlungen haben gerade erst begonnen.



