Wirtschaft

EU-Reimport: Warum sich der Umweg beim Autokauf lohnt

Derselbe Neuwagen kostet in Deutschland oft ein paar Tausend Euro mehr als in Dänemark, Belgien oder den Niederlanden. Gleiches Auto, gleicher Hersteller, gleiche Ausstattung. Der einzige Unterschied: In welchem Land der Wagen ursprünglich verkauft werden sollte. Wer diesen Preisunterschied nutzt, kauft per EU-Reimport.

Die Idee dahinter ist simpel. Innerhalb der EU gilt der freie Warenverkehr, und ein Auto ist nichts anderes als eine Ware. Ein Händler darf einen Neuwagen also in Belgien einkaufen und in Deutschland verkaufen. Der Kunde bekommt am Ende dasselbe Fahrzeug, das beim deutschen Vertragshändler im Schaufenster steht, nur eben günstiger. Reimport heißt es deshalb, weil viele dieser Autos in Deutschland gebaut, ins Ausland exportiert und von dort wieder zurückgeholt werden. Der Wagen kommt also nach Hause.

Wo der Preisunterschied herkommt

Hersteller kalkulieren ihre Preise nicht weltweit gleich. Sie schauen sich jeden Markt einzeln an: Kaufkraft, Steuern, Konkurrenz, wie preisbewusst die Leute dort sind. In Ländern mit hohen Zulassungssteuern, etwa Dänemark, sind die Nettopreise der Autos oft niedriger angesetzt, weil der Staat ohnehin kräftig draufschlägt. In anderen Ländern drückt schlicht der harte Wettbewerb die Listenpreise.

Für deutsche Käufer ist das ein Glücksfall. Sie zahlen am Ende die deutsche Mehrwertsteuer und melden den Wagen ganz normal in Deutschland an, profitieren aber vom niedrigeren Grundpreis aus dem Ausland. Je nach Modell landet man bei Rabatten zwischen 10 und teilweise über 30 Prozent gegenüber dem deutschen Listenpreis. Bei einem Mittelklassewagen sind das schnell 5.000 bis 8.000 Euro. Bei teureren Modellen entsprechend mehr.

Was viele falsch verstehen

EU Auto kaufen heißt nicht Gebrauchtwagen. Das ist der häufigste Irrtum. In den allermeisten Fällen handelt es sich um fabrikneue Fahrzeuge mit null Kilometern auf dem Tacho, frisch vom Band. Manche sind sogenannte Tageszulassungen, also einmal kurz auf den Händler angemeldet und sofort wieder abgemeldet, was den Preis nochmal drückt, aber das Auto bleibt praktisch neu.

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Auch die Herstellergarantie bleibt erhalten. Sie gilt EU-weit, egal wo das Auto gekauft wurde. Wer einen Reimport-VW fährt, kann damit in jede beliebige VW-Werkstatt in Deutschland gehen. Das ist gesetzlich und vertraglich abgesichert und keine Grauzone.

Worauf man achten sollte

Ganz ohne Haken ist die Sache trotzdem nicht, und es wäre unseriös, das zu verschweigen.

Der wichtigste Punkt ist die Ausstattung. Autos für den ausländischen Markt sind manchmal anders konfiguriert als die deutsche Standardversion. In südeuropäischen Ländern wird Klimaanlage oft serienmäßig verbaut, eine Sitzheizung dagegen eher selten. Bei einem Reimport aus Italien kann es also passieren, dass genau die Ausstattung fehlt, die man hierzulande für selbstverständlich hält. Deshalb gilt: Vor dem Kauf die Ausstattungsliste Position für Position durchgehen und mit dem deutschen Modell vergleichen. Seriöse Reimport-Händler liefern diese Liste unaufgefordert mit.

Dann die Papiere. Damit das Auto in Deutschland zugelassen werden kann, braucht es die richtigen Unterlagen, vor allem die COC-Bescheinigung. Das ist eine Art EU-Typengenehmigung, die bestätigt, dass das Fahrzeug den europäischen Vorschriften entspricht. Ohne dieses Papier wird die Zulassung zur Geduldsprobe. Ein guter Händler kümmert sich darum oder hat das Dokument längst zur Hand.

Und schließlich der Händler selbst. Der Markt ist groß, und es gibt schwarze Schafe. Eine zu schöne Preisangabe, Vorkasse ohne klare Absicherung, keine erreichbare Adresse, das sind die üblichen Warnzeichen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft bei einem in Deutschland eingetragenen Händler mit Sitz, Bewertungen und einem Vertrag, den man vorher in Ruhe lesen kann. Lieber ein paar Euro weniger Rabatt als das Geld komplett im Ausland versenken.

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Lohnt sich der Aufwand?

Kommt darauf an, wie viel man sparen will und wie viel Mühe man reinstecken mag. Wer beim Vertragshändler um die Ecke kauft, hat es bequemer: hinfahren, Probefahrt, unterschreiben, fertig. Beim Reimport muss man etwas mehr lesen, vergleichen und nachfragen. Dafür spart man bei einem Neuwagen oft den Gegenwert eines ordentlichen Gebrauchtwagens.

Die meisten seriösen Reimport-Händler haben den Prozess inzwischen so weit vereinfacht, dass der Aufwand überschaubar bleibt. Sie übernehmen die Beschaffung, kümmern sich um die Papiere, liefern das Auto bis vor die Haustür und melden es auf Wunsch sogar an. Der Kunde merkt am Ende kaum, dass sein Wagen aus Belgien oder Slowenien kommt. Außer auf dem Kontoauszug.

Unterm Strich ist EU-Reimport kein Trick und kein Schlupfloch, sondern eine ganz legale Folge des europäischen Binnenmarkts. Man nutzt einfach aus, dass dasselbe Auto an verschiedenen Orten unterschiedlich viel kostet. Wer bereit ist, etwas genauer hinzuschauen und nicht beim erstbesten Angebot zuschlägt, fährt am Ende denselben Neuwagen wie der Nachbar. Nur hat man eben ein paar Tausend Euro mehr in der Tasche.

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