Katzenschutzverordnung: Niedersachsen lässt Beschluss liegen

Der Landestierschutzbund Niedersachsen schlägt Alarm. Eine landesweite Katzenschutzverordnung liegt zwar als Landtagsbeschluss vor, wird aber nicht umgesetzt. Rund 200.000 freilebende Katzen im Land leiden nach Angaben von Tierschutzorganisationen unter Unterernährung, Parasiten und Infektionskrankheiten.
Beschluss ohne Wirkung
Der Niedersächsische Landtag hat die Einführung einer landesweiten Katzenschutzverordnung beschlossen. Passiert ist seitdem wenig. Die Verordnung sieht eine Pflicht zur Kastration, Kennzeichnung und Registrierung von Freigängerkatzen vor. Das Vorhaben war bereits im Koalitionsvertrag der Landesregierung verankert.
CDU-Abgeordnete hatten bereits im Februar 2025 eine schriftliche Anfrage im Landtag gestellt. Sie wollten wissen, wann die Verordnung in Kraft tritt. Eine befriedigende Antwort blieb aus. Tierschutzverbände sprechen von Blockade durch kommunale Spitzenverbände.
Kundgebung vor dem Landtag
Am 4. März 2026 versammelten sich Tierschützer vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover. Mehrere Organisationen forderten gemeinsam die sofortige Umsetzung des Parlamentsbeschlusses.
Der Landestierschutzbund verweist dabei auf Schleswig-Holstein. Dort trat eine landesweite Katzenschutzverordnung zum 1. Juli 2026 in Kraft. Das Nachbarland habe bewiesen, dass eine schnelle Umsetzung möglich ist. In Niedersachsen dagegen liege die Verordnung auf den Schreibtischen der Ministerien.
Kommunen handeln auf eigene Faust
Einzelne Gemeinden in Niedersachsen haben die Wartezeit nicht akzeptiert. Neu Wulmstorf beschloss im März 2025 eine eigene Katzenschutzverordnung. Die Organisation PETA lobte diesen Schritt ausdrücklich. Solche lokalen Regelungen können das Problem aber nicht flächendeckend lösen.
Ohne landesweite Regelung bleibt der Schutz freilebender Katzen ein Flickenteppich. Manche Kommunen handeln, andere nicht. In vielen Regionen vermehren sich Streunerkatzen unkontrolliert weiter.
Lage im Weserbergland
Auch in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden, Schaumburg und Höxter ist die Lage angespannt. Tierschutzvereine berichten regelmäßig von überfüllten Auffangstationen. Kastrierte und registrierte Hauskatzen könnten das Problem langfristig entschärfen.
Ohne verbindliche Landesregelung sind die örtlichen Tierschutzvereine auf freiwillige Kastrationsaktionen angewiesen. Diese erreichen nicht alle Tierhalter. Eine Verordnung würde eine rechtliche Grundlage schaffen und für einheitliche Standards sorgen.
Forderungen der Verbände
Der Landestierschutzbund und weitere Organisationen fordern die sofortige Verabschiedung der Verordnung durch die Landesregierung, eine klare Frist für das Inkrafttreten sowie ausreichend finanzielle Mittel für die Umsetzung vor Ort.
Die Kastrationspflicht allein reiche nach Ansicht der Verbände nicht aus. Nur die Kombination aus Kastration, Kennzeichnung per Chip und Registrierung in einer Datenbank ermögliche eine wirksame Kontrolle der Katzenpopulation.
Druck auf die Landesregierung
Niedersachsen hat eine klare politische Entscheidung getroffen, handelt aber nicht danach. Das Beispiel Schleswig-Holstein zeigt, dass eine schnelle Umsetzung möglich ist. Tierschutzverbände, Kommunen und einzelne Abgeordnete erhöhen den Druck auf die Landesregierung. Eine Entscheidung fällt in Hannover.