Blaulicht

Rezeptbetrug in Schaumburg: Polizei meldet wöchentlich neue Fälle

Gefälschte Kassenrezepte treffen Schaumburger Apotheken hart. Organisierte Banden nutzen manipulierte Papierrezepte, um hochpreisige Medikamente zu ergaunern. Die Polizei im Landkreis Schaumburg nimmt dazu inzwischen wöchentlich Anzeigen entgegen.

Teure Präparate im Visier der Betrüger

Die Täter haben es auf bestimmte Mittel abgesehen: Diabetesmedikamente, Schmerzmittel und teure Abnehm-Spritzen. Mittel wie Mounjaro, ein hochpreisiges Diabetespräparat, kosten pro Packung mehrere hundert Euro zu Lasten der Krankenkassen.

Das Prinzip ist einfach: Die Fälscher stellen gefälschte oder manipulierte Papierrezepte her, Komplizen lösen diese in Apotheken ein. Die Originalpräparate werden anschließend weiterverkauft, häufig über Schwarzmärkte im Internet.

Krankenkassen wie AOK und Barmer haben zuletzt ausdrücklich auf die Fälschungswelle hingewiesen. Die Betrugsfälle verursachen erhebliche Schäden bei den gesetzlichen Krankenversicherungen.

Arbeitsteilige Strukturen im Hintergrund

Hinter den Fälschungen steckt selten ein Einzeltäter. Ermittler gehen von professionell organisierten Gruppen aus. Eine Gruppe fälscht die Rezepte, eine andere löst sie in den Apotheken ein, wieder andere übernehmen den Weiterverkauf.

Dieses arbeitsteilige Vorgehen erschwert die Ermittlungen. Die Person an der Apothekentheke ist oft nur ein kleines Glied in der Kette, die Hintermänner bleiben im Verborgenen.

Papierrezept als Schwachstelle

Die Fälscher setzen gezielt auf Papierrezepte, weil diese sich leichter manipulieren lassen als digitale Verordnungen. Das elektronische Rezept, kurz E-Rezept, ist fälschungssicherer, da es digital signiert und über eine zentrale Infrastruktur verarbeitet wird.

Für Apotheken ist die Prüfung von Papierrezepten aufwendig. Das Personal muss Echtheit, Ausstellerdaten und Stempel manuell kontrollieren, was bei hohem Kundendurchlauf schwierig ist.

E-Rezept als Schutz vor Fälschungen

Beim E-Rezept stellen Ärzte die Verordnung digital aus, die Apotheke ruft sie über eine gesicherte Verbindung ab. Manipulationen sind kaum möglich. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben Praxen bereits darauf hingewiesen: Wer weiterhin Papierrezepte ausstellt, muss mit mehr Rückfragen aus den Apotheken rechnen.

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Die Umstellung auf das E-Rezept läuft bundesweit, ist aber noch nicht abgeschlossen. Solange Papierrezepte im Umlauf sind, bleibt die Angriffsfläche für Betrüger bestehen.

Apotheken zwischen Kontrolle und Vertrauen

Apothekerinnen und Apotheker stecken in einem Dilemma. Sie sind verpflichtet, Rezepte auf Echtheit zu prüfen, können aber keine aufwendige Detektivarbeit leisten.

Fachstellen für die Rezeptabrechnung empfehlen ausdrücklich, Rezepte in verschlossenen Schränken oder Schubladen aufzubewahren. Auch gestohlene Blankorezepte können für Fälschungen missbraucht werden.

Die Abrechnung von E-Rezepten wirft bei manchen Apothekenteams noch Fragen auf. Katrin Kanne von der Northeimer Apotheke im Marktkauf hatte das Abrechnungsverfahren der E-Rezepte als komplizierter beschrieben als das frühere Papierverfahren.

Konsequente Verfolgung nötig

Rezeptbetrug schadet Apotheken, Krankenkassen und allen Versicherten. Im Landkreis Schaumburg nehmen die wöchentlichen Anzeigen bei der Polizei zu. Nötig sind konsequente Strafverfolgung der Banden und eine schnellere Durchsetzung des E-Rezepts. Solange Papierrezepte die Regel sind, werden Fälscher die Lücken nutzen.

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