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Der Kommentar

Olaf Scholz, der Springteufel der Sozialdemokratie

Von Ralph Lorenz

Der strahlende Sieger des Wahl-Abends im Weserbergland heißt Johannes Schraps.

Mit 43,25 Prozent der Erststimmen hat er sich erneut das Direktmandat für den Wiedereinzug in den Bundesstag geholt. 2017 waren es noch 39,1 Prozent gewesen. Wohlgemerkt damals aus dem Stand heraus. Er hat damit beides erreicht: Die Verbesserung seiner Präsenz in Berlin und zugleich das Ansehen in seinem Wahlkreis 46 im Weserbergland. Das ist nicht selbstverständlich.

 

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Der Nachfolger von Gabriele Lösekrug-Möller trat in sehr große Fußstapfen, hat aber instinktiv vieles richtig gemacht.

Auf seiner stillen, effizienten Art.  Im Haushalts- und Finanzausschuss hat er Format bewiesen, der Draht zu Olaf Scholz ist auch deshalb gut – und wichtiger denn je.

Scholz, das ist der Mann, der die als abgehalftert geltende Volkspartei wie Phoenix aus der Asche geholt hat. Und der unbestrittene Held dieses Abends.

Damit hat er seiner Partei Selbstbewusstsein wiedergegeben. Im Gegensatz zu seinem Widersacher Armin Laschet, der das schlechteste Ergebnis der CDU bei einer Bundestagswahl eingefahren hat und unter diesem ungünstigen Vorzeichen gleichwohl versuchen wird eine Koalition zu bilden. Doch es haftet ihm damit die geradezu zwanghafte, verzweifelte Teilhabe an der Macht an. Und er steht für das "Weiterso"! Damit ist er zur abge-merkelten tragischen Figur geworden in einer gnadenlosen Medienwelt, der kein Lächeln zur falschen Zeit entgeht.

Das erst gibt den Parteien aus der zweiten Reihe – FDP und Grüne - die Chance überproportional mitzumischen in dem Berliner Koalitions-Machtpoker. Erst sie werden in den Bündnisabsprachen der kommenden Wochen den künftigen Kanzler bestimmen. Der Schwanz wedelt mit dem Hund. Ein bitterer Beigeschmack.

Auch das ist klar: Zwischen den Grünen und den Sozialdemokraten gibt es zweifelsohne mehr Schnittmengen als zu dem in Wirklichkeit gescheiterten Merkel-Mann Laschet.

Das Ampelbündnis wäre der glaubwürdigste Ausdruck des Willens zur Veränderung, der eindeutig zur Grundbotschaft dieses dramatischen Wahlabends gehört.

Mit gesteigertem Selbstbewusstsein tritt nun auch die SPD in Niedersachsen wieder auf. In Südniedersachsen sind alle Wahlkreise an die SPD gefallen! Ein sensationelles Ergebnis.

Mareike Lotte Wulf, die sympathische CDU-Bundestagskandidatin in Hameln-Pyrmont und Holzminden, hat unter den gegebenen Umständen ihr Bestes gegeben. Doch auch sie muss jetzt noch um den Einzug in den Bundestag bangen. Am Abend war keinesfalls abzusehen ob ihr ursprünglich als sicher eingeschätzter Landeslistenplatz wirklich zieht. Das war mal anders geplant.

Doch wer hatte Anfang des Jahres mit solch einer schwachen Performance der Bundes-CDU wirklich gerechnet? Und gleichzeitig diese beinharte Geschlossenheit der SPD hinter dem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz erwartet, jenen Mann, dem die eigenen Genossen an der Spitze nicht einmal den Parteivorsitz zugetraut hatten?

Scholz ist so etwas wie der Springteufel der Sozialdemokratie! Hat Freund und Feind überrascht und wird mit seiner alten abgewetzten Aktentasche unaufgeregt ins Kanzleramt einziehen. Denn diese Wahl war nicht die allseits proklamierte Klima-Wahl der Greta-Jugend. Es war die Mindestlohn-Wahl. Die Renten-Wahl. Die Wahl der Themen, die Scholz gesetzt hat. Weil in der Ruhe die Kraft liegt. Eine "Sozial-Wahl", entschieden von der stillen Mehrheit. Total vergeigt von der Linken.

Und da ist er plötzlich wieder: Der bereits totgeglaubte Genosse Trend. Die alten Sozialdemokraten, ja sie kennen ihn noch.

 

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