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An Osterwald ist der Kelch der Beglückung seinerzeit gerade noch vorüber gegangen

Wie der holländische Feriendorf-Planer Biermans ein kleines Dorf namens Mistelgau in eine vier Jahre andauernde Erwartungsstarre versetzt hat

Von Ralph Lorenz

Mistelgau/Osterwald (wbn). Mistelgau ist ein kleiner Ort in Oberfranken. Wie das liebreizende Bergdorf Osterwald in Salzhemmendorf. Ansonsten verbindet beide Dörfchen herzlich wenig – wenn da nicht der Name Ed Biermans wäre. Der niederländische Investor hat Mistelgau nämlich bundesweit, ja international zu Schlagzeilen verholfen.

Und das will etwas heißen bei einem Ort wie Mistelgau, der in Wikipedia unter der Rubrik „Personen“ nur eine gewisse Margot Drechsel aufweisen kann, 1945 hingerichtet in Bautzen. Die Dame allerdings ist nicht geeignet dem Ort Mistelgau als Zierde zu dienen. Sie ist die Distel in Mistelgau. Sie war, laut Wikipedia, „Aufseherin in verschiedenen Konzentrationslagern“. Da darf der oberfränkische Flecken geradezu froh sein, wenn mal zur Abwechslung ein anderer Name fällt. Und diesmal nicht vorrangig im Zusammenhang mit Konzentrations- und Arbeitslagern, sondern dem schieren Gegenteil davon, nämlich im Verbund mit Feriendörfern und Wellness-Oasen. Doch wo ist bei Feriendorf-Planer Biermans das Bindeglied zwischen Osterwald im Weserbergland und Mistelgau in Oberfranken?

Biermans hatte in Osterwald neben dem Platzhirsch Jobst von Wendorff zunächst Eindruck gemacht

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Nun, die Salzhemmendorfer werden sich dunkel und eigentlich ungern erinnern. Ed Biermans hat nämlich zeitgleich zu Mistelgau auch Osterwald mit einem 200-Häuser-Feriendorf heimsuchen wollen. Und zwar im Schlepptau des inzwischen verstorbenen Notars und CDU-Fraktionsvorsitzenden Jobst von Wendorff. Dass er mit dem Vertrauen einflößenden lokalpolitischen Platzhirsch von Wendorff aufgetaucht war, hatte seinerzeit mächtig Eindruck gemacht. Doch der ehrgeizige, um nicht zu sagen wahnwitzige Biermans-Plan hätte in der Folge fast das bis dahin friedliche Bergdörfchen Osterwald gespalten.

Einige sahen schon die Dollar-Zeichen, andere hörten bereits Holländisch als zweite Amtssprache und waren davon weniger erbaut. Hauptproblem war aber, die Biermanschen Visionen von einem strahlend schönen Feriendorf im Weserbergland bewegten sich hart am Rande zur Halluzination. Wann immer es ans Eingemachte ging und die Frage nach den Geldgebern dieses Millionenprojektes gestellt wurde bekam Biermans einen abgehobenen Gesichtsausdruck, der einem Geisterseher zur Ehre gereicht hätte. Die Runde hätte auch ebensogut Stühlerücken oder heiteres Investorenraten veranstalten können. Doch es war noch kurz vor dem Platzen der Immobilienblase. Da ging ohnehin nicht alles mit rechten Dingen zu.

Biermans ließ sogar mal in seinen Kontostand gucken

Der Salzhemmendorfer Gemeinebürgermeister hatte sogar mal Kontostände gucken und damit an der Solvenz des Holländers schnuppern dürfen (die damals nach der Papierform wohl nicht schlecht war), doch Namen von Geldgebern, das war irgendwie Ehrensache, wurden nicht genannt. Bis heute nicht. Die Weserbergland-Nachrichten.de hatten sich ziemlich klar positioniert und den Namen Biermans als Investor und Feriendorfplaner von mal zu mal hartnäckiger hinterfragt. Ebenso wie einige Salzhemmendorfer Geschäftsleute, die nicht auf den Kopf gefallen schienen. Das Problem war: Ed Biermans ließ sich als erfolgreicher Feriendorf-Manager präsentieren, der ganz Salzhemmendorf in eine glorreiche Tourismus-Adresse verwandeln wollte, konnte aber selbst keine überzeugende Referenz vorweisen.

Nicht, dass er es nicht unermüdlich und anschaulich behauptet hätte. Aber die angeblichen Feriendörfer in Holland, die er mit aus dem Boden gestampft haben wollte, waren, wenn es sie denn gab, partout nicht mit seinem Namen in Verbindung zu bringen. Äußerst kurios verlief auch eine Feriendorf-Besichtigung des Mistelgauer Gemeinderates. Zeitgleich zu Osterwald hatte nämlich Ed Biermans sein Feriendorf-Vorhaben im oberfränkischen Mistelgau mit Macht vorangetrieben und die dortigen, wohl etwas leichtgläubigeren Gemeinderäte nebst Ehefrauen dazu gebracht mit dem Bus eine Zeitreise in die Zukunft zu machen.

Fast hätten die Mistelgauer schon einmal ein Feriendorf von Biermans gesehen - doch sie sind nie dort angekommen

Sie fuhren Hunderte von Kilometern um eines jener sagenhaften Biermanschen Feriendörfer zu besichtigen. Doch sie kamen so gesehen nie an. Anders gesagt, sie wären beinahe da gewesen. Und knapp daneben ist eben auch vorbei. Biermans soll – so jedenfalls die Schilderung eines Mitreisenden – unterwegs das Fahrtziel geändert und das nächst erreichbare Feriendorf in den Niederlanden angesteuert haben mit dem Argument, das sähe in etwa genauso aus wie sein Projekt. So haben sie ein anderes gesehen, aber nicht das von Ed Biermans. Weil es das bis heute nicht gibt?  Als die Weserbergland-Nachrichten.de über die Fahrt ins Blaue berichteten ist der Gemeindebürgermeister von Mistelgau, ein gewisser Georg Birner, richtig sauer auf die Internetzeitung geworden. Er fühlte das epochale fränkisch-holländische Projekt nicht richtig gewürdigt und wollte vor allem verhindern, dass der Investor und Feriendorfplaner Ed Biermans wie in Osterwald auch in Mistelgau zum Schluß das Handtuch wirft. In Osterwald war der Holländer nämlich zum Schluss gegen eine Mauer der Skepsis gerannt. Wenn sich die Weserbergland-Nachrichten.de fortan in Mistelgau meldeten, war Birner regelmässig nicht - und speziell für den Redakteur dieses Internetzeitung nicht - zu sprechen. Das hatte jedoch auch einen anderen Grund. Den Mistelgauer Kommunalpolitikern dämmerte so langsam, dass an dem von den Weserbergland-Nachrichten.de berichteten Argwohn etwas dran sein könnte.

Der Gemeinderat von Mistelgau hat sich über die bayerischen Grenzen hinaus zum Gespött gemacht

Inzwischen sind die Mistelgauer Gemeinderäte aber schon zum Gespött in ganz Oberbayern und Niederbayern und im ­Rest der Republik geworden. Geld spiele keine Rolle, hatte Ed Biermans sowohl in Osterwald-Salzhemmendorf als auch in Mistelgau-Obernsees signalisiert. Und in gewisser Weise hatte er sogar recht. Das Geld hat nie eine Rolle gespielt. Weil es offenbar nicht da war. Zumindest nicht in der avisierten Höhe von 45 Millionen. In Mistelgau ist seit vier Jahren von 45 Millionen Euro die Rede, die in das 200-Häuser-Feriendorf rund um die dortige Therme investiert werden sollen. Auf das Geld warten Birner und die Seinen mit der Ergebenheit eines Wüstenbewohners auf den Platzregen, der die Dürre binnen Stunden in ein Paradies verwandeln soll. Mit entwaffnender Ehrlichkeit hat Birner auch einmal zugegeben, es bliebe ihm nichts anderes übrig, alldieweil da kein anderer Investor ist.

Tatsächlich ist das oberfränkische Hinterland mit einer Investitionswüste vergleichbar. Der mistige Mistel-Super-Investitionsgau hat es in der vier Jahre währenden Auszehrung des einstmals freudigen Erwartens segensreicher Feriendorfmillionen ins Fernsehen, in die großen überregionalen Tageszeitungen und in die Medien bis in die Niederlande gebracht. Dass Biermans, wenn er denn mal viel Geld hat, dies über Nacht auch wieder abhanden kommen kann, gehört ebenfalls zu den schlagzeilenträchtigen und ernüchternden Ereignissen. Auf holländischem Boden soll ihm – so berichtete mal eine niederländische Regionalzeitung – ein Koffer mit einem Millionenbetrag quasi aus dem Kofferraum geklaut worden sein als er sich auf einem Parkplatz mit irgendwelchen Leuten traf. Doch einen Ed Biermans wirft das offenbar nicht um. Dann hatte er wieder vielversprechende Spanier in der Hinterhand. Oder Engländer aus Boomtown London. Oder einfach nur Leute, die nun wirklich nicht genannt werden wollten, was man einfach verstehen muss, weil sie einfach nur etwas Geld übrig hatten.

Birner glaubt irgendwie an Biermans - auch weil er keine Alternative hat

Birner, der gebeutelte Bürgermeister, scheint im vierten Jahr des Wartens auf die Feriendorf-Millionen den Glauben noch nicht ganz verloren zu haben. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig und es muss ihn wohl eine Art Hassliebe an den Holländer gekettet haben. Mehr als zum Gespött kann er ohnehin nicht mehr werden. Fieberhaft, so schreibt die lokale Presse, so glaubt auch Birner, sei Ed Biermans um die Finanzierung bemüht. Mit diesem monetären Dauerfieber ist Biermans allein schon  reif für das Guinnessbuch der Rekorde. Es geht wohlgemerkt um sage und schreibe 45 Millionen Euro, doch als Silberstreif wird in Supermistelgau bereits gewertet, wenn eine niederländische Regio-Bank per Fax bestätigt, dass eine „Eilbuchung“ über 38.270 Euro an die Gemeinde Mistelgau angewiesen wurde. Es sind dies die anteiligen Kosten für den Architektenwettbewerb, die für lange Zeit von der klammen Kommune vorgestreckt werden mussten. Das Gebaren eines international erfahrenen Feriendomizil-Erbauers sieht irgendwie anders aus.

Immer wieder hat Daueroptimist Georg Birner den Sekt kalt stellen lassen – und wenn er denn entkorkt wurde, dann nicht wegen des Erfolges, eher zum Trost. Und mit Sicherheit steht schon wieder eine neue Flasche Sekt bereit, für den Fall der Fälle. Unikum Biermans scheint es aber auch irgendwie immer wieder zu schaffen ein ganzes Gemeinderatsgremium erwachsener Männer in den Zustand der Wahnvorstellung kurz bevorstehender finanzieller Tröstung versetzen zu können. Diese Gabe haben sonst nur Sektenprediger und Schamanen.

Am 30. August war mal wieder alles in trockenen Tüchern...

Der 30. August vergangenen Jahres scheint ein solcher Moment der Offenbarung gewesen zu sein. Da hatte Ed Biermans wieder mal versichert, dass die Finanzierung jetzt doch endlich „gesichert“ sei. Öffentlich hat er das verkündet,  in einer Gemeinderatssitzung, so dass es auch jeder von der Presse hören konnte, dem noch nicht die Ohren abgefault waren.

Am 8. November 2010 sei aber der Holländer den Beweis für seine Aussage immer noch schuldig geblieben, berichtete der Mistelgauer Lokalredakteur betrübt. Doch Biermans, der mit seinem Sohn nach Mistelgau angereist war, machte hernach unverdrossen im vierten Jahr der unendlichen Geschichte neue Hoffnung auf finanzielle Erlösung all der verzagten Grundstücksbesitzer. Obwohl er Monate zuvor bereits verkündet hatte, dass alles gesichert sei, sprach er nun von Verhandlungen mit einem deutschen Investor.

„Ross und Reiter könnten jedoch erst genannt werden, wenn die Verträge unterschrieben sind“, zitiert ihn der Nordbayerische Kurier in dieser unendlichen Geschichte. Mit dieser Fähigkeit, mit simplen Beschwörungsformeln ein ganzes Dorf in die Trance einer hinhaltenden Erwartungsstarre zu versetzen, ist Biermans reif für Gottschalks Wetten dass?. Nehmen sich Biermans und Birner überhaupt noch gegenseitig ernst?

Der eine spricht von ständig wechselnden finanzkräftigen Hintermännern und fordert Geduld ein, der andere hat wiederkehrende Hintergedanken dergestalt, dass nun wirklich zum letzten Mal eine letzte Frist gesetzt werde und sich dann die Wege endgültig und unabänderlich trennen würden. Wirklich endgültig. Oder doch nur bis zum nächsten Mal? Eines können die Mistelgauer nun wirklich nicht behaupten, dass sich nämlich Mister Feriendorf so einfach aus dem Staub macht. Er hat immer eine neue Hoffnung auf Lager. Auch im Jahre 2011. Freunde wie Biermans wird man so schnell nicht los.

Warum Salzhemmendorfs Gemeindebürgermeister bei alledem irgendwie ganz froh ist

Es war in den Tagen vor Weihnachten bei einer kleinen Feier im Feuerwehrhaus von Salzhemmendorf-Oldendorf: Salzhemmendorfs Gemeindebürgermeister Martin Kempe, der vor Jahren selbst einmal überaus erwartungsvoll mit Biermans und Notar von Wendorff erste Pläne für ein Feriendorf im Bergdorf Osterwald präsentiert hatte,  setzte sich neben den Redakteur der Weserbergland-Nachrichten.de und fragte beiläufig beim Schlachteessen ob er mal wieder was Neues von Biermans in Mistelgau gehört habe.

Nach einer Kunstpause folgte eine Bemerkung, die erkennen ließ, dass der Salzhemmendorfer Bürgermeister nun nicht mehr unfroh ist über den Gang der Dinge damals in Osterwald. Mit der angeblich verpassten Feriendorf-Chance 200 neue Urlauberhäuser zu bauen, der noch immer einige Einheimische verbissen nachtrauern, ist auch ein Kelch an ihm und an Osterwald vorübergegangen. Osterwald und damit Salzhemmendorf ist zumindest nicht zur Lachnummer in der Region geworden wie das kleine Mistelgau. Für einen Ort, der vom Tourismus leben muss, ist dies die halbe Miete.

Das zauberhafte Osterwald hat nämlich noch einen Namen zu verlieren. Es wäre das Mistelgau des Weserberglands geworden.

 

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